Ein Kind ist kein Kind

Da waren wir auf einmal zu Viert… (Teil 1)

5. April 2020
zwei kleine kinder beim spielen

Hattest du nach einem Kind noch nicht genug Aufregung in dein Leben gebracht, dann schaff dir doch einfach ein zweites an.

Denn dann erlebst du auf jeden Fall die Aufregung der anderen Art, wirst noch mal eine Spur mehr gefordert und fragst dich am Ende möglicherweise: warum genau noch mal habe ich ein zweites Kind gewollt? Achja, die können dann irgendwann miteinander spielen, damit nicht ich immer den Pausenclown für mein Kind geben muss.

Möglicherweise habe ich dabei vergessen, dass es ein Weilchen dauert, bis meine beiden Kröten miteinander zu spielen in der Lage sind. Davor werden wir wohl noch die eine oder andere Hürde nehmen müssen.

Der Neuzugang ändert alles!

Vor einem Jahr fuhr ich, bereits mit dem zweiten Kind schwanger zu meiner Schwester, ihres Zeichens zweifache Mutter. Was klagte ich ihr mein Leid mit meinem damals für mich sehr anstrengenden Sohn – da meinte sie nur nonchalant:

„Sorry, du meinst, das ist eine Herausforderung? Warte nur mal, bis deine Kleine auf der Welt ist.  Ach Schwesterherz, ein Kind ist kein Kind…

Ich war natürlich vollkommen erbost, ob der fehlenden Empathie seitens meiner Schwester. Felsenfest war ich doch überzeugt , dass das, was ich gerade durchmachen musste, das Maximum meiner Kapazitäten war. O, was war ich naiv.

Heute denk ich mir, mein Lieber, das war ja echt gar nix, worüber ich mich da immer gesorgt habe, wieviele Gedanken ich mir gemacht habe, nicht wissend, wie viel Zeit und Energie mir eigentlich mit dem Einen noch übrig blieben.

Nachdem schon meine zweite Schwangerschaft nicht ganz so berühmt war (vor allem im Vergleich zu meiner Spaziergang-ähnlichen ersten), war ich der Meinung, es könnte ja nur besser werden, wenn meine Kleine endlich da wäre.

Dann wären wir eine wunderbare vierköpfige Familie – Vater, Mutter, Kinder sozusagen.

Wir würden alle Klischees zur Perfektion erfüllen und glücklich in den Sonnenuntergang hüpfen. Ein bisschen á la Raiffeisen Werbung aus den Achtzigern… für die etwas Älteren unter uns 😉

Vorbereitung ist alles…

Ich war natürlich wie immer geistig bestens darauf vorbereitet, dass mein Söhnchen mit der Ankunft seiner kleinen Schwester nur so mittelmäßig begeistert sein würde. Daher tauschten mein Freund und ich schon Wochen vor der Geburt unserer Tochter die Zimmer.

Ich schlief davor in einem Zimmer mit unserem Sohn (ich war schwanger und brauchte den Platz, ich denke, Ihr versteht, was ich meine!). Mein Freund schlief gemütlich im Gästezimmer. Diesen Tausch planten wir, damit der Einschnitt für den Bruder nicht zu heftig werden würde.  Er sollte nicht das Gefühl haben, mit der Ankunft des Neuzugangs verdrängt zu werden, wenn ich auf einmal mit unserer Tochter ein Zimmer teilen würde.   Mein Freund stand dann auch tatsächlich mit unserem Sohn auf, machte Frühstück für die Männer und brachte unseren Sohn dann auch zur Tagesmutter.

Als ich nach der Geburt unserer Tochter dann mit dem Säugling nachhause kam, änderte sich förmlich nichts an unseren Abläufen.

Ich schlief anstatt alleine eben mit der Kleinen im Gästezimmer. Selbst Freunde und Familie, die uns zur Geburt der Tochter besuchen wollten, wurden vorsorglich instruiert, Geschenke für den Bruder mitzubringen, sich eingehend mit ihm zu beschäftigen und die Schwester erstmal zu ignorieren.

Wir wollten sämtliche euphorischen „o, wo ist sie denn“s und „ach Gott, sie ist ja so süß“ Ausrufe gleich im Keim ersticken. Jeder Besucher musste dies bei sich behalten und durfte maximal hinter vorgehaltener Hand und leise raunend seine Glückwünsche an uns richten. Bloß nicht, dass unser lieber Herr Sohn sich denken könnte, dass ein paar Wochen alter Säugling ihm seinen Popularitätsrang ablaufen könnte. War er doch von unserer Familie und vielen unserer kinderlosen Freunde immer regelrecht vergöttert worden! Er hatte sich wohl zu Recht immer als Mittelpunkt der Welt fühlen dürfen.

Doch dann kam sie!

Ein kleines, süßes Würmchen mit niedlicher Stimme, die man als Bruder locker überbrüllen, niederquietschen und wegträllern konnte. Nur komisch, dass Mama, wenn man dem Ding, das da immer am Boden im Weg herumlag, auf den Kopf gestiegen war, laut schreiend gerannt kam und wild mit den Armen fuchtelnd „Neiiiiin!!!!“ schrie.

Und so fingen die Freuden der Zweikinder Familie an.

Ehrlich gesagt plagen mich seit Stunde Null beinahe kontinuierlich abwechselnd das schlechte Gewissen, die völlige Erschöpfung und die wahnsinnige Frage, wie ich mir das eigentlich vorgestellt hatte. Wirklich genügen kannst du gefühlt keinem Kind.

Das eine ist verstoßen von seinem Thron des Einzelkindes, dem immer alle Aufmerksamkeit zuflog. 

Das andere wird einfach so am Boden liegengelassen, wenn das Größere schreit. Es kann ja nicht fortlaufen oder ist sonst irgendeine Gefahr für sich selbst. Also rennst du als Mutter natürlich dem hinterher, der dir dann eben davonläuft.

Das Kleinere wird niemals die ungeteilte Aufmerksamkeit beider Elternteile für sich haben. Es wird von Anfang an alles teilen müssen. Das Größere muss lernen auf einmal alles zu teilen. Was für ein Schock muss das sein.

Was meint Ihr so zu diesem Thema?

Gerne könnt Ihr im nächsten Artikel lesen, wie es uns weiter ergangen ist. 

Bis bald und freue mich auf ein Wiederlesen!

Eure Sigrid

 

Bildquellen:

First Moment (Bilder im Text)

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1 Kommentar

  • Antworten Ein Kind ist kein Kind... - mamawahrheiten 8. September 2020 at 21:16

    […] natürlich für den Familienverbund als solches, von drei auf vier Personen (Da waren wir auf einmal zu Viert… (Teil 1) und Da waren wir auf einmal zu Viert… (Teil […]

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