Ein Kind ist kein Kind

Ein echtes Problem oder alltäglicher Wahnsinn?

10. April 2020
zwei kinder bringen ungeahnten mehraufwand

Wer hat nicht das Gefühl im Leben als (in meinem Fall Zweifach) Mama ständig von einer  aufregenden, unglaublichen und/oder wahnwitzigen Situation in die andere zu geraten? Das Leben mit Kind zu bestreiten ist mit viel Aufwand verbunden – das Leben mit mehreren Kindern bedeutet multiplizierten Aufwand und ungeahntes Gefühlschaos.

Über das nie wieder allein Sein oder nervenaufreibende Kinderarzt Besuche habe ich mich bereits in Teil 1 und Teil 2 der Serie ausgelassen. Aber die täglichen Kämpfe, die ich im Kinderalltag nun führe, sind so häufig wie komisch – natürlich erst im Nachhinein.

Sie lieben sich?

Zum Beispiel die Abholung meines Sohnes von der Tagesmutter. Hier starten direkt die ersten Konflikte mit meinem Großen. Denn Mama nimmt ja jetzt immer die Schwester mit und kommt nie mehr allein daher.

Wenn die anderen Kinder aus der Gruppe neugierig in den Kinderwagen schauen, da ist sie wohl  kurzfristig „seine“ Schwester. Kaum aber haben wir den Lift erreicht, sucht mein Herr Sohn nach allen erdenklichen Möglichkeiten die Nachzüglerin zu quälen.

Da wird sich auf den Wagen gelegt und Gegenstände reingeworfen. Und wenn ich leichtsinnig genug war, den Säugling in den Maxi Cosi zu legen, dann wird sowieso nur noch gezwickt und auf die Kleine gehaut.

Momentan macht mein Großer eine recht gewalttätige Phase durch. Das treibt mich regelrecht durch die anstrengendsten emotionalen, physischen und psychischen Stadien meines Lebens .

Nie hätte ich gedacht, dass es so schwierig sein könnte, einen Zweijährigen zu bändigen, daneben ein Baby zu jonglieren, sämtlichen Hausrat mitzuschleppen und dabei ganz nebenbei noch Supermum zu sein. Was habe ich mir bitte überhaupt gedacht?

zwei kinder beim SpielenUngeahnter Aufwand…

Dazu kommen natürlich noch sämtliche Wege, die man auf einmal statt mit einem mit zwei Kindern bewältigen muss.

Vorbei die Zeiten, als man ins Auto stieg und losfuhr. Nun muss man erst mal planen, in welche Richtung man sein Auto einparkt, damit man die Türen neben den Säulen für den Maxi Cosi weit genug aufbekommt. Oder ob man zum Kofferraum dazukommt, um den Kinderwagen hineinzuschmeißen.

Autos sauberzumachen ist sowieso obsolet.

Sobald man einmal rausgesaugt hat (dauert mitunter Stunden, die du nicht hast…), ist es im selben Moment so, als wärest du nie auf allen Vieren in den Untiefen deines Autos herumgekrochen. Als hättest du nie die Brösel, Nüsse und Co aufgesammelt, oder Apfel-und sonstige Reste von den Pölstern gekratzt.

Sämtliche Wege, jedes noch so kurze Verlassen des Hauses muss geplant und organisiert sein. Anfangs hat man ja keine Wahl und muss beide Kinder einfach überallhin mitschleppen.

So wird auf einmal das Müll runtertragen zu einer Herausforderung, kann man doch das ältere Kind nicht guten Gewissens allein mit der Jüngeren lassen. Außer man riskiert des Letzteren Unfalltod durch den Bruder.

Zu erwähnen seien dazu auch noch die Lasten, die man als junge Mutter noch so zu tragen hat. So hat Mama doch Wickelsachen, Jause für den Junior, Wechselkleidung, Regensachen, und, und, und irgendwo zu verstauen und immer (ausnahmslos!) mitzuführen.

Denn jede Mama weiß: alles, was du nicht eingepackt hast, brauchst du genau in dem Moment, wo du es nicht mit hast. Eine ganz, ganz wichtige Regel!

Ich wünsche mir nicht einmal am Tag 4 Arme und 6 Hände, die alles halten, tragen und auffangen , was so durch die Gegend fliegt. Zusätzlich dazu bin ich natürlich auch nonstop am Putzen, Reinigen und Aufräumen. Der Staubsauger wurde zu meinem besten Freund, der täglich Gassi geführt wird und Gott sei Dank mit Akku läuft, den ich täglich auflade.

Jetzt bin ich eine richtige Mama

Auf einmal stelle ich fest, wie ich mich mit anderen Müttern über Rezepte, Wäsche waschen und putzen unterhalte.

Man bekommt Haushaltsgeräte empfohlen, über die man sich auf einmal als Geburtstagsgeschenk wie eine Schneekönigin zu freuen beginnt. Gott sei Dank endlich ein Dyson, statt des günstigen Modells XY, das keine Saugkraft zustande bringt und die ewigen Brösel nur im Teppich verteilt, als sie vollständig aufzusaugen. Halleluja!

Ich habe, seit ich denken kann, nie gerne gekocht. Ich bin nicht so wie mein Mann nicht nur mit Liebe und Hingabe das Essen am Teller anrichtet. Er bereitet sogar nur für sich allein die Gerichte  äußerst aufwendig und detailverliebt zu.

Nun überlege ich täglich, was ich meinem Sohn bloß kochen soll. Ausgewogen soll es sein, viel Gemüse und möglichst irgendein Superfood enthalten. Bloß nichts mit fadem Weizen (so ungesund!), sondern her mit Dinkel, Quinoa, Bulgur und Co., von denen ich in meiner Jugend noch nie etwas gehört hatte. Ich kaufe also Mungobohnen, Couscous und Ebly und versuche diese wertvollen Getreide mit schmackhaften Gemüsevariationen zu kombinieren.

Dass mein Sohnemann diese Gesundküche zur Gänze ablehnt, wer hätte bitte damit rechnen können?

zwei kinder im einkaufszentrumHer mit Fleischlaberl, Chicken Nuggets, Ripperl und so weiter, möglichst fleischlastig soll es sein. Salzig (waaaaaah, Hilfe!) und fettig, dann ist des nach dem Geschmack meines Großen. Könnte dies eventuell ein klitzeklein wenig mit den Vorlieben meines Göttergatten einhergehen, der doch recht häufig das Abendessen zubereitet? Mag sein.

Wenn ich mich allerdings aufraffe meine vegetarischen, gesunden Köstlichkeiten zu kredenzen, stoße ich selten auf große Gegenliebe.

Kein Wunder, hat mich nach ungefähr einem Jahr des Experimentierens bereits wieder die Lust am Kochen verlassen, und schnell werfe ich am Abend meinem Großen die Gemüselaibchen (das ist ja wohl das Mindeste!) in die Pfanne.
Ich bin schon sehr gespannt auf die Zeit, wenn meine Tochter ebenfalls zu essen beginnen wird, und ob sie sich dann vielleicht etwas ganz anderes vorstellt als ihr Bruder. Davon werde ich zu gegebenem Zeitpunkt berichten.

Wie schaut bei Euch das alltägliche Essen so aus? Seid Ihr eher von der vorbildhaften “Gesund und Selbstgemacht” oder “Schnell und Anspruchslos” Fraktion?

Ich freue mich über Eure Kommentare und ein baldiges Wiederlesen!

Eure Sigrid

 

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