Ein Kind ist kein Kind

Ausflüge mit zwei Kleinkindern – ein Abenteuerbericht

11. April 2020

Mit der Ankunft der kleinen Maus gestalten sich nun auch aber auch die Ausflüge auf den Spielplatz komplizierter als davor.

Musste ich bis dato mit meinem Sohn nur am Boden herumsitzen und Sandburgen bauen oder Löcher graben, habe ich jetzt natürlich immer den Kinderwagen mit dabei. Anfangs kein Problem, als Mademoiselle nur geschlafen hat, aber mit wachsendem Entertainmentbedarf  sowie weniger Schlafbedarf seitens der Tochter hat sich die Situation verschärft.

Probleme sind Interpretationssache

Nicht nur, dass der Winter und die Kälte einer geplagten, einfach immer falsch gekleideten Mutter am Spielplatz herumstehend schon genug zu schaffen machen. Nein, jetzt will die kleine Tochter auch etwas sehen können. Da will sie aus dem Wagen genommen werden und ihrem Bruder beim Spielen zuschauen. Also wird sie in die Trage gepackt, die sie auch nur unter Protest akzeptiert, schließlich ist die Sicht auch hier eingeschränkt.

Doch dem Bruder gefällt meineneue Brustbehängung so unbedingt. Bin ich doch auf einmal ziemlich eingeschränkt beim Hinauf-und Hinunterheben des Herren Sohn von diversen Klettertürmen und Schaukeln.

Also stehe ich zumeist vollends verkrampft und verbogen vor irgendeinem wilden Spielgerät auf einem saudreckigen Platz – vom Zustand meiner Schuhe möchte ich gar nicht mehr sprechen. Dort versuche ich verzweifelt den Kopf meiner Tochter zu stabilisieren, wenn ich wieder den Rindenmulch am Boden in ein kleines Küberl schaufeln und per Flaschenzug auf den Turm hieven muss. Dort wartet nämlich der Kleine schon ungeduldig auf den Nachschub zum wieder Hinunterwerfen.

Wahnwitzigerweise versuche ich dann auch noch meinem Mädchen eine bessere Aussicht zu gewähren, wobei ich mich überall nur noch seitlich hinstelle, so dass sie geradeaus etwas zu sehen bekommt.
Oftmals komme ich erst Stunden später darauf, warum mir ein spezieller Körperteil wieder so weh tut. Oder wo genau die neuen blauen Flecken herstammen, die frisch fröhlich auf meinen Armen und Beinen sprießen.

Wenn einer eine Reise tut…

Letztens hatte ich auch noch die glorreiche Idee mit meinen beiden Kindern allein zu meiner Mutter in meine Heimatstadt zu fahren. Der Mann braucht doch auch mal eine Auszeit, oder?
Also packte ich alles zusammen, was ich für mich und zwei Wickelkinder als notwendig erachtete – welche Unmengen an Gepäck man für einen zweitägigen Ausflug in eine 200km entfernte Stadt brauchen kann, ist unvorstellbar.

Der Auszug aus Ägypten war wohl ein armseliger Spaziergang gegen mich, wenn ich versuche, das Auto einzuladen.
Endlich hatte ich es geschafft, den Kofferraum bis oben hin und darüber hinaus zu befüllen (packe mal in Ruhe dein Auto ein, während zwei Babys allein in der Wohnung sitzen)…

Da musste ich ebendieses Gepäck nach einer zweistündigen Autofahrt zuhause auch schon wieder entladen und in der Wohnung meiner Mutter verräumen. Schlussendlich bei Oma eingerichtet, besuchten wir meine Schwester mit ihren Kindern. Auto wieder – mit etwas geringeren Aufwand – beladen, Kinder, Spielzeug, Jause etc. einpacken und bei der Tante wieder auspacken.

…dann kann er was erleben

Den ganzen Nachmittag über wurde gespielt und von einer Ritterburg, zur Playdoh Station oder zur Schaukel gerannt. Ich vergaß natürlich wieder aufs Essen, wobei ich penibel darauf achtete, dass die Kinder reichlich an Essen und Trinken bekamen.
Nach wunderbarer Entspannung im Unterhaltungsterror musste dann alles wieder eingesammelt werden, was man so mitgebracht hatte. Sämtliches wurde wieder zurück ins Auto gestopft und die Kinder dazugepackt. Zurück bei Oma packte ich schlussendlich auch alles wieder aus.

Das Paradoxon des multiplen Aufwandes

Das zweite Kind verdoppelt den gefühlten Aufwand für jeden Schritt vor die Haustüre nicht nur. Es multipliziert diesen um das x-fache. Ich hatte das Gefühl, ich war nur am Ein-und Auspacken, Kinder in Sitze Stopfen und erschöpft in diverse Sitze Sinken.

Und zum Finale des entspannten Tages beschloss meine Tochter einen abendlichen Hysterieanfall anzustimmen. Es wurde eine Stunde lang gebrüllt wie am Spieß, an Niederlegen beider Kinder war nicht zu denken.

Als ich es geschafft hatte die Kleine zu beruhigen und zum Schlafen zu bringen, strahlte mich mein Sohn gut gelaunt von Omas Schoß aus an. Denn er wollte ja auch noch ins Bett gebracht werden.

Also selbes Spiel von vorn. Kind ins Gitterbett legen, singen, streicheln, Hand reinhalten, das volle Programm. Und dabei aber bitte so leise sein, dass das Töchterlein, im selben Zimmer nächtigend, nicht etwa wieder aufwachen und in Hysterie verfallen möge.

Nach erfolgtem Eiertanz im Schlafzimmer hatte ich nach zwei Stunden beide Kinder zum Schlafen gebracht. Ich fühlte mich wie Mark Zuckerberg, als er Facebook erfunden hatte. Vollkommen euphorisch ob meines Erfolgs mit den Kindern, gab ich mich dem Genuss eines Gläschens Prosecco hin, gefolgt von einem tröstlichen Schokoeis. schließlich tänzelte ich auf Zehenspitzen durchs Zimmer und legte mich im Zeitlupentempo zwischen meine Kinder, wo ich in den absoluten Erschöpfungsschlaf fiel.

Von der Nacht im Sandwich zwischen meinen süßen Kindern unendlich erfrischt erwachte ich am nächsten Morgen nach gefühlten drei Stunden Schlaf.
Mein Sohnemann sprang bereits in aller Herrgottsfrühe topmotiviert aus dem Bett und forderte sein Frühstück ein.

Ich sag einfach “an Herausforderungen wachsen” dazu

Über die Heimreise muss ich ja nicht mehr viel erzählen. Einfach oben Beschriebenes noch mal von vorn – nur die Strecke einmal retour.
Als ich daheim eintraf, hatte mein Mann übers Wochenende mit seinen Kumpels bei uns zuhause Party gefeiert. Er nahm mir bei meiner Ankunft, wie besprochen, die Kinder für einen Spaziergang ab. Und ließ mich zum Putzen in der Wohnung zurück. Ich kann mich eben nicht gemütlich auf die Couch legen, wenn ich der Meinung bin, es ist nicht sauber genug in der Wohnung.

Männersauberkeit und Frauenwahrnehmung – völlig unterschiedliche Kapitel.  Selbst schuld eigentlich.

Im Moment arbeite ich an mir persönlich und versuche den Alltag ein wenig entspannter zu leben. Ich springe nicht mehr sofort vom Esstisch auf um Ab-und Aufzuräumen. Ich sitze nun manchmal länger als fünf Minuten auf der Couch, wenn um mich herum das Chaos regiert. Step by step…

Vielleicht schaffe ich es irgendwann sogar das schmutzige Geschirr vom Abendessen kreuz und quer in der Küche verteilt bis zum nächsten Tag stehen zu lassen. Wer weiß? Ich wachse an den Herausforderungen, die mir die zwei Kinder nun stellen. Langsam.

Wie läuft das bei Euch? Seid Ihr auch unentspannt im Durcheinander oder lasst Ihr auch mal fünfe grade sein?

Ich freu mich auf ein baldiges Wiederlesen.

Eure Sigrid

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2 Comments

  • Antworten Nicole 18. November 2020 at 21:21

    Hihi… da kommt mir doch vieles bekannt vor… doch frage ich mich, ob es wirklich nichts zur 200km langen Autofahrt zu sagen gibt. Ich traue mich ja immer noch nicht mit meinen beiden Kindern (13mt & bald 3.5j) nur schon eine Knappe Stunde Auto zu fahren, weil es häufig ein Geschrei gibt. Auch die Erzählung der Nacht, schien mir abgekürzt. Ich versuche nach wie vor die Kinder in unterschiedlichen Zimmern schlafen zu lassen, damit sie sich nit gleich gegenseitig wecken, wenn sie aufwachen in der Nacht. Und durchschlafen ist noch ein Traum… Ziel seit langem: 5h am Stück, das verbessert den Erholungseffekt ungemein. Ich will mit diesem Kommentar nur bestätigen, zwei Kinder sind definitiv noch viel anstrengender, als eines… und es gibt da noch Themen, die bei euch ziemlich gut zu laufen scheinen :-).

  • Antworten Sigrid 19. November 2020 at 22:08

    Jaja, ich glaube, da hat jede Mutter so ihre Geschichten zu erzählen. Und Vieles, was bei meinen Stories mal etwas beschwingter klingt, ist in der Realität beinhart. Bis ich im Nachhinein drüber lachen kann. Aber kenne den Zustand nach zu vielen schlaflosen Nächten nur zu gut, die Erschöpfung und die Nerven, die nicht mehr wollen. Trotzdem sind die Kiddies halt oft wieder wunderbar zu beobachten und zu erleben. Im Nachhinein gesehen denk ich mir oft, wie konnte mich das eine Kind allein nur so oft so sehr überfordern 😉 Aber man wächst nur mit den Aufgaben und jede Situation hat ihre eigenen Herausforderungen. Wünsche dir alsbaldigen guten Schlaf und weiterhin viel Freude mit deinen beiden 🙂

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