Mütter im Beruf

Karrierehemmnis Kinder (Teil 1) – finde den perfekten Zeitpunkt

5. Mai 2020
Radschlagen in der Wueste Dubais

Wer hätte das gedacht? Ich habe tatsächlich ein Kind bekommen. Mit 36 Jahren habe ich beschlossen, es müsste in diesem Leben dann doch noch etwas mehr geben, als aufzuwachen, arbeiten zu gehen, nach dem Heimkommen den Fernseher aufzudrehen und schlafen zu gehen. Nächster Tag gleiches Spiel.

Gemeinsam mit meinem langjährigen Lebenspartner trafen wir die Entscheidung, dass wir doch eine Familie haben wollten und beschlossen, das „Projekt“ anzugehen.

Doch wie genau planst du das? Und wann ist der richtige Zeitpunkt?

Welche dringenden Aufgaben sind noch zu erledigen, bevor du „Zeit“ hast schwanger zu werden?

  • Ich habe gerade diesen oder jenen Job bekommen, da geht es nicht.
  • Ich habe gerade ein Projekt gestartet, da geht es nicht.
  • Mein Mann hat gerade gar keine Zeit mich zu unterstützen, da geht es nicht.

Auf einmal sieht man sich der Situation gegenüber, dass man zwar vielleicht doch Interesse an einem Familienleben hätte, Kinder aber leider nie in die Karriereplanung passen. Also musst du als Frau die Entscheidung treffen, wo genau du denn jetzt deine Karriere zu unterbrechen bereit bist. Aber „eh nur kurz“, weil du dann ja ohnehin gleich wieder 40 plus Stunden arbeiten gehen wirst, nicht wahr? Ein Kind hält dich doch nicht auf, deinen übermäßig sinnvollen, weltverändernden Job hintan zu stellen.  Also gehst du schnell mal gebären, schaust, dass das Kleine aus dem Gröbsten raus ist, und dann geht’s gleich mal munter weiter mit dem Streben und dem Wichtigsein – oder?

Kinderkriegen leicht gemacht?

Irgendwann hatten wir uns aber doch geeinigt und es ging los mit dem Probieren. Und mit sich brachte es den nächsten Performance Stress.

  • Werden wir es überhaupt schaffen?
  • Wird es lange dauern?
  • Wann ist mein Eisprung?
  • Wird der Termin bitte schön auch passen?
  • Kommt es dann eh zur richtigen Jahreszeit, meine Schwester hat so viel Babykleidung für den Winter/Sommer?
  • Bin ich fruchtbar, ist er fruchtbar?
  • Bin ich zu alt, haben wir doch zu lange gewartet?
  • Was, der erste Versuch war nicht erfolgreich, wie kann das denn bitte sein?

Auf einmal siehst du dich der Situation gegenüber, dass so etwas wie ein Kind zu kriegen absolut nicht planbar ist.

Ich war völlig verwirrt von der Tatsache, dass ich das Schwangerwerden nicht beeinflussen konnte.  Hier konnte ich auf einmal nichts mit Terminkalender bewirken und schon gar nicht meinem Perfektionismus frönen. Ein Kind kommt also nicht, wenn man beschlossen hat, man hätte es gerade gerne? Was soll das denn bitte?

Die traurige Wahrheit

Mir war es nie bewusst, weil ich mich für das Thema nicht interessiert hatte. Kaum aber hatten wir uns entschieden es zu versuchen, lernte ich einige Frauen kennen, die (leider) zum Teil schlimme Geschichten über ihre Kinderwünsche zu erzählen wussten.

Angefangen von jahrelangen Versuchen und angespannten Beziehungen, die sich auf einmal nur noch um das Kinderkriegen-oder eben nicht kriegen drehen. Bis hin zu Hormontherapien, die die Frauen fast in den Wahnsinn treiben, hört man auf einmal von Fehlgeburten, unzähligen erfolglosen IVFs und so weiter und so weiter. Also doch nix mit der Planbarkeit oder den Vorstellungen entsprechend. Kinder wollen eben einfach nicht so daherkommen, wie wir es uns wünschen würden. Sie suchen sich die verrücktesten Zeitpunkte und Momente aus, die ihnen gerade so passen. Damit muss man sich wohl als Erstes abfinden. Und da geht die Reise aber auch erst los…

Unser Baby on the way

schwanger auf urlaub am strandIch muss gestehen, wir hatten diesbezüglich viel Glück.

Als wir allerdings beschlossen es zu versuchen, dachte ich noch, wir lassen es mal drauf ankommen. Monatelang passierte dann erstmal nichts.

Verwirrung und Unsicherheit machte sich breit. 

Das konnte ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen, ging zur Frauenärztin, die mir zufällig einen Eisprung für ebendieses kommende Wochenende diagnostizierte.

Und siehe da, nach der angemessenen Wartezeit zeigte der Teststreifen zwei dünne Linien.

Es war also geschafft, der Plan war aufgegangen, ich war schwanger.

Und nun?

Natürlich warteten wir, wie man es heute ja unbedingt tun sollte, die 3 Monate, bis ich es in der Firma bekannt gab.

Nie werde ich die Nervosität vergessen, mit der ich meiner damaligen Chefin erklärte, dass ich ein Kind bekommen würde.

Es war mir äußerst unangenehm und peinlich, dass ich meinen Job aufgeben musste und die Firma im Stich ließ. Ich wand mich herum, stotterte irgendetwas Unverständliches daher, bis ich schließlich ein: „sorry, aber ich fürchte, ich bekomme ein Kind“ herausstammelte.

Wider Erwarten brach meine Chefin damals in Begeisterung aus, sie fand das ganz toll und würde schon eine Lösung für das Problem finden, dass ich nicht mehr da sein würde.

Ich wusste für mich natürlich, dass ich bis zum letzten Moment alles geben würde. Schließlich war ich schwanger und nicht krank. Klar, dass ich mich weiterhin mit demselben Engagement und derselben Energie meiner Arbeit widmen würde.

Wie war ich erstaunt, als ich feststellte, dass man als Schwangere keine Überstunden machen durfte. Achja und in der Firma muss eine Möglichkeit zum Hinlegen bestehen, wo sich die Schwangere bei Bedarf ausruhen kann. Wie bitte? Wer braucht denn bitte sowas? Das ist ja wohl nur etwas für die Schwachmaten oder?

Danach kam noch die Herausforderung auf mich zu die frohe Botschaft meinen Kollegen bzw. meinem Team zu verkünden.

Auch dort druckste ich nur herum vor lauter Angst, wie sie denn reagieren und ob sie vielleicht die Augen verdrehen würden. Schon wieder will da jemand ein Kind haben und sich aus dem Berufsleben vertschüssen. Damals habe ich schlicht und ergreifend angenommen, dass die Menschen um mich herum das über mich denken, was ich jahrelang über all die Mütter dieser Welt gedacht hatte – und diese Zweifel hatte ich auch verdient.

Nachdem mein Team an Teilzeitmüttern (!!!) begeistert war, traute ich mich es dann auch den übrigen Kollegen zu sagen. Überall erwähnte ich schon mal vorsorglich, dass ich sowieso bald wieder würde arbeiten kommen und ohnehin nicht lange wegbleiben würde.

Das war doch selbstverständlich.

Die Schwangerschaft schritt voran, ich arbeitete soviel ich konnte und durfte. Ich fühlte mich sehr behindert in meinen Tätigkeiten und ging dann zähneknirschend in den abzubauenden Urlaub mit anschließendem Mutterschutz.

Und auf einmal änderte sich einfach alles.

Wie es mir dann erging, lest Ihr hier 🙂

Ich freue mich auf ein Wiederlesen,

Eure Sigrid

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