Mütter im Beruf

Die alles ist möglich Lüge – oder warum frau sich nicht traut erfolgreich zu sein

12. Mai 2020
mama knuddelt kleines baby

Heute habe ich eine Nachricht bekommen: Kennst du das Buch “Die alles ist möglich Lüge”?

Der Angriff 

Ich habe unmittelbar und hochemotional reagiert. Ich habe sofort angenommen, dieser Titel nähme Bezug auf meine euphorischen vergangenen Wochen. Geprägt von Corona, aber vor allem auch von einem Gefühl des Aufbruchs, der Erneuerung und des Abenteuers. Wie oft habe ich in letzter Zeit auf Social Media Netzwerken gepostet: alles ist möglich! Nehmt die Chancen, die sich Euch gerade bieten. Probiert was Neues, vielleicht etwas, was Ihr immer schon wolltet, aber davor nie Zeit dafür hattet. Oder Euch nicht getraut habt. Frei nach dem Motto: Raus aus der Komfortzone, rein ins Abenteuer!

raus aus der komfortzoneMeine Güte, war ich beflügelt und beseelt. Und dann das. Ein Buch, das mir erzählt, dass die Welt voller Möglichkeiten eine reine Lüge ist?

Das musste ich mir anschauen. Sofort!

Ich befragte Dr. Google zu dem Buch und bekam folgende Antwort: “Die alles ist möglich Lüge – wieso Familie und Beruf nicht vereinbar sind”.

Achso, ein ganz anderes Thema, ein ganz anderer Zugang. *Hand-aufs-Hirn*

Vereinbarkeit von Familie und Beruf?

Naja, dass Beruf und Familie nicht vereinbar sind, das wissen wir Mütter inzwischen auch, oder? Ich meine, wer hat das nicht erlebt, dass er in totaler Hektik zwischen Job und Kinderbetreuung hin-und herhechelt? Oder vom schlechten Gewissen geplagt, ständig auf die Uhr schaut, weil das Meeting wieder länger dauert und das Kind auf die Abholung wartet. Und das Gefühl, dass man nichts ordentlich macht? Job nicht und Kinder Kümmern auch nicht.

Wobei, was heißt das schon, nicht vereinbar? Irgendwie gehts dann schon. Aber wie, das ist eben die Frage. Wir wurschteln uns halt so durch die Tage und Wochen und beten, dass die Kinder nicht krank werden (wir selbst krank ist einfach keine Option). Und man nicht völlig unerwartet schon wieder vom ausgesprochen wichtigen Termin fernbleiben muss.

Die falsche Conclusio

Nein, was ich ursprünglich verstanden hatte, war, dass mein “ich kann alles schaffen; alles ist möglich; man kann alle Träume realisieren; es sind den Möglichkeiten einfach keine Grenzen gesetzt” Denken angezweifelt wurde.

mama umarmt kleines babyMeine erste Reaktion war: jemand will mich von meinem hohen Ross herunterholen.

Da findet jemand, ich übertreibe und mache mich wichtig mit meinen mega positiven Postings. Was rede ich da nur von Chancen und Möglichkeiten, wo es doch so vielen Leuten so schlecht geht?!

Sofort fiel ich in die Selbstzweifel, in die Unsicherheit, stellte mir die Frage: stimmt, was hab ich mir nur dabei gedacht? Es ist doch in Wahrheit eine Lüge, dass ich wirklich mal alles für mich möglich machen kann, denn es ist nur eine Utopie. Und jemand kann das auch noch beweisen! Und eine liebe Freundin weist mich darauf hin, damit ich mich nicht noch lächerlicher mache.

Mein Ernst?

Mein Ernst!

Innerhalb von Zehntel Sekunden haben sich oben erwähnte Gedanken bei mir abgespielt.

Die große Frage

Und jetzt sitze ich hier und frage mich: wieso hatte ich sofort diese Gedanken. Wieso habe ich nicht überlegt, ob es etwas mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu tun haben könnte? Oder damit, dass der Mensch vielleicht doch fliegen lernen könnte? Oder damit, dass Männer Kinder kriegen könnten?

Nein, der erste Gedanke war: stimmt, ich liege falsch. Ich mache was falsch. Ich bin zu aufgeregt, zu motiviert, zu optimistisch, zu überschwänglich. Also schnell zurück in den Zweifel, in die “ich kanns eh nicht” Haltung. Nur damit ich nach meinem Versuch der Selbstverwirklichung und dem eventuellen Scheitern sagen kann: ich hab ohnehin immer gewusst, dass ich es nicht schaffen kann. 

Diese halbherzigen Versuche etwas zu erreichen, habe ich mein ganzes Leben unternommen. Und nun habe ich beschlossen, das zu ändern. Ich will keine halbherzigen Versuche mehr. Keine vielleicht-schaff-ich-das-Gedanken mehr. Keine Angst mehr vor dem Misserfolg. Keine Angst davor anzuecken oder jemandem nicht zu gefallen. Keine Angst vor Liebesverlust, Kritik oder Zurückweisung. Oder gar dem Lächerlichmachen.

Schluss damit. 

Neue Wege

Ich habe etwas für mich gefunden, dass mir nicht nur Spaß und Freude bereitet, sondern mich erfüllt, mich belebt, begeistert und mir die Möglichkeit gibt, unheimlich interessante Menschen kennenzulernen.

Ich lebe derzeit im kontinuierlichen “win-win” und kann mein Glück nicht fassen. Daher muss da ein Haken sein. Ich suche ihn einfach so lange, bis ich ihn finde und endlich wieder: ich habs ja gewusst, schreien kann.

Warum machen wir Frauen das nur? Warum müssen wir uns immer nur selbst bestätigen, dass wir es ohnehin nicht schaffen.

Mir wurde gerade gesagt, wenn ich mich noch lange genug schlecht rede, dann tritt diese self-fulfilling prophecy auch ein. 

Genauso ist es auch.

Wir stehen uns einfach nur selbst im Weg.

strahlend lachen will gelernt seinEs sind nicht einfach nur die bösen Männer, die uns behindern, Erfolg zu haben oder die Gesellschaft, die uns Mütter, die Karriere machen wollen, nicht unterstützt oder akzeptiert. Es sind wir selbst, die wir uns schlecht reden und klein machen.

  • Trauen wir uns mehr!
  • Trauen wir uns etwas zu!
  • Versuchen wir es doch einfach mal!

An uns ist es die Kinder von morgen zu erziehen. Buben wie Mädchen brauchen ein neues, offenes Mindset.

Nicht nur, dass ihre Mamas eh auch arbeiten waren. Dass sie alles so toll unter einen Hut gebracht haben.

Nein, was ich meinen Kindern vorleben will, ist, dass Frauen wie Männer ihre Vorstellungen verwirklichen können. Dass sie gleich gescheit und talentiert sind, dass sie die gleichen Aufgaben erfüllen und alle gleich gut sein können.

Alles ist möglich! Und Glaube ist alles!

Wie seht Ihr das? Freue mich auf Eure Kommentare und Meinungen dazu.

Bis bald auf ein Wiederlesen!

Eure Sigrid

 

Bildquelle Titelbild: Miriam Mehlman – miriamblitzt

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