Ein Kind ist kein Kind

Zwei Kinder – das ungesunde Vergleichen

25. Juni 2020
Mama spielt mit den Kindern

Kommt Euch das bekannt vor?

“Mein Großer hat das nie gemacht.”

“Die Kleine schläft viel besser als der Große.”

“Ich hab mich so fix darauf eingestellt, dass sie nicht fremdeln wird, weil ihr Bruder das auch nie gemacht hat.”

Und so weiter, und so weiter…

Mama lacht beim Spielen mit den beiden KindernDer ewige Vergleich

Anfangs habe ich gar nicht so darauf geachtet, aber in letzter Zeit fällt es mir vermehrt auf, dass ich selbst meine beiden Kinder andauernd miteinander vergleiche. Was hat mein Großer wann und wie gemacht. Dann schaue ich meine Kleine an und wundere mich, wenn sie viel schneller oder viel langsamer oder überhaupt ganz anders ist.

Na o Wunder! Sie ist ja auch ein anderer Mensch, ein eigener Charakter und eine eigenständige Persönlichkeit.

Warum sollte sie sich überhaupt irgendwann so verhalten wie er?

Na der Trugschluss ist wohl, dass man meint, wenn man mal ein Kind bekommen hat, muss das beim nächsten ja alles gleich oder zumindest ähnlich sein, oder?

Dabei hätte ich die Zeichen während der Schwangerschaft schon erkennen können. Nur war ich damals zu dumm dazu.

Nichts ist gleich

Die gesamte Schwangerschaft mit meiner Tochter war schon ganz anders als beim Sohn, die Geburt sowieso und selbst beim Stillen hatte ich das Gefühl, ich mache das alles zum ersten Mal.

Keine Ahnung genau, wieviele Kinder frau bekommen muss, um tatsächlich zu sagen: “Achja, das kenn ich alles schon, na kein Problem.”

Heute fragen mich manchmal Freundinnen, die eben Mütter von jeweils einem Kind geworden sind, wie ich das bei meinem Großen gemacht habe.

Erstens, kann ich mich selten wirklich erinnern, was ich gemacht habe und zweitens, bin ich bei meiner Tochter dann fast genauso unsicher wie die “Erst-Mamas”. Als hätte ich alles vergessen und verdrängt.

Das einzige, was mir geblieben ist, ist eine gewisse Sicherheit, dass Vieles nicht so dramatisch ist, wie es oft aussieht. Dass die Kinder ganz schön robust sind. Und dass man sich nicht immer so extrem viele Sorgen machen muss.

Der ganze Rest ist einfach anders.

Baby beim Spielen mit activity centerWarum das Vergleichen niemandem etwas bringt

Nun, warum vergleichen wir denn überhaupt den einen mit dem anderen?

Wer bitte schön hat damit jemals gute Erfahrungen gemacht?

Beinahe alle meine Freundinnen und Freunde erzählten mir irgendwann Geschichten, wie sie mit ihren Geschwistern verglichen wurden, und wie sehr das genervt hat. Oder dass es sogar zu psychischen Krisen geführt hat. Der ewige Vergleich unter Geschwistern führt doch irgendwann auch dazu, dass sich die Kinder selbst aneinander messen und sich miteinander vergleichen.

Als könnte niemand sie mehr als Individuen wahrnehmen, sondern nur noch als Reflektionsscheibe der Geschwister.

Fürchterlich ist das.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, das schadet den Kindern nur und bringt niemandem etwas.

Ich bin ja kein Psychologe und will mir nicht anmaßen hier konkrete Studien zu kennen, aber allein wie ich mich im ständigen Vergleich mit meiner Schwester gefühlt habe, fand ich nie angenehm.

Die Kinder buhlen dann eigentlich nur um die Gunst der Eltern, wenn sie nicht das Gefühl bekommen, dass sie um ihrer selbst geliebt werden. Sondern erst, wenn sie sich so verhalten wie die “brave Schwester” oder “der Bruder, der so schön isst”.

Was ich ändern will

Ich habe lange darüber nachgedacht und beschlossen, ich muss etwas ändern.

An meiner Sprache, an meinen Kommentaren, an den Dingen, die ich mal so salopp vor mich hin spreche.

Und auch an den Dingen, die ich zu Freundinnen sage, wenn die Kinder dabei sind. Als ob sie nicht da wären. Als ob sie zu dumm wären zu verstehen, was ich sage.

Ich stelle fest, vor allem mein Sohn versteht mittlerweile wirklich alles.

Wie unhöflich und herablassend ist das von mir eigentlich, wenn ich über ihn und seine Eifersucht zur Schwester plaudere, wenn er mit mir im Raum ist. Das muss das Kind ja durcheinander bringen!

Kind und Mutter beim Apfel schneidenFolglich mein Vorsatz:

  1. Niemals vor meinen Kindern darüber reden, was der eine kann und der andere eben nicht so gut.
  2. Nicht mehr vor Fremden diskutieren, wie sich die Geschwister miteinander tun.
  3. Meinen Kindern kontinuierlich zu sagen, nicht nur, dass ich sie liebe, sondern, dass ich sie so liebe, wie sie sind. Dass sie so gut und perfekt sind, wie sie eben sind. Und dass sie nicht so zu sein brauchen wie der jeweils andere.

Vielleicht schaffe ich es so, dass sie unbelasteter in die Beziehung zueinander gehen können.

Dass sie sich nicht ständig miteinander vergleichen müssen und sich als individueller Mensch wahrgenommen fühlen.

Ein Auftrag für mich. Denn oftmals rutschen mir diese Worte einfach so heraus.

Aber ich werde mich sehr, sehr bemühen das zu ändern.

Für das Wohlbefinden meiner beiden Herzensangelegenheiten. Meine Kinder.

Wie geht es Euch mit dem Thema? Vergleicht Ihr Eure Kinder auch miteinander? Und verbalisiert Ihr das vielleicht sogar auch vor ihnen?

Ich bin gespannt auf Eure Kommentare.

Bis bald auf ein Wiederlesen,

Eure Sigrid

Bildquelle: miriamblitzt – Miriam Mehlman Fotografie

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2 Comments

  • Antworten Katrin 25. Juni 2020 at 23:31

    So toll wie du dich immer wieder selber reflektierst! Genau das macht den Unterschied. Offenheit für Neues und uns und unsere Ansichten zu reflektieren. Ja, unsere Kinder sind ALLE verschieden und das ist gut so. Wir dürfen mit jedem Kind wachsen und lernen. Du bringst es gut zum Ausdruck!

  • Antworten Sigrid 26. Juni 2020 at 16:40

    Liebe Katrin, ich freue mich sehr über dein Feedback und darüber, dass du meine Beiträge liest 😉 Ich hoffe immer sehr, dass sich viele Frauen und Mütter ein bissl in meinen Reflexionen wiederfinden. Und erkennen, sie sind mit ihren Gedanken nicht allein. Hoffentlich kann ich hin und wieder auch einen Gedankenanstoß bieten.

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