Mütter im Beruf

Das K&K Dilemma – kann Frau alles haben?

2. August 2020
Ich halte eine Rede

Diese Impulsrede habe ich letztens bei einer unglaublich tollen Veranstaltung gehalten, die ich mit meiner lieben Freundin Ruth Gabler-Schachermayr von CareerMum veranstaltet habe.

Das K&K hat natürlich nichts mit Monarchie und Sisi und dem Prinzen in der schimmernden Rüstung zu tun, der mich rettet und optimalerweise am Ende des Tages erhält.

K&K steht natürlich für Kind und Karriere. Ist aber eh logisch, oder?

Und auch logisch, dass wir uns eben nicht retten und erhalten lassen wollen.

ruth lacht beim plaudernDas war der Plan

Ursprünglich wollte ich ganz cool in eine Abhandlung starten über tüchtige Frauen, die alles können und unbedingt selbstständig sein müssen.

Doch ich hatte keine Zeit, diese Rede zu schreiben, denn mir kam das Leben dazwischen. Nämlich meine beiden Kinder. Die haben sich in der letzten Woche überlegt, dass sie genau jetzt absolut nicht mehr schlafen gehen wollen. Und ich, bei meinen Schwiegereltern in Salzburg – allein, ohne Mann – musste die beiden Kröten mehr oder weniger allein bändigen.

Und da kam dann die Schreiberei beim besten Willen zu kurz. Nix mit meinen Social Media Postings, nix mit meinen neuen Blog Posts und vor allem auch keine mega coole pfiffige Rede.

Hier also nur der Beweis, was die Mutterschaft mir alter Perfektionistin, Wortklauberin und super Akkuraten gebracht hat.

  • Flexibilität
  • Geduld (naja, da geht noch was…)
  • Anpassungsfähigkeit
  • Wurschtigkeit dahingehend, dass ich eben nicht immer alles so super machen kann, wie ich es gerne würde.

Wie ist das mit uns Frauen?

Ich war immer schon ein ehrgeizige, zielstrebige, „brave“ Frau, die stets pflichtbewusst und ohne Überstundenempfinden alles – aber auch wirklich alles – für die Arbeit gegeben hat.

Stimmt, weitere Charakteristika von mir sind noch „ungeduldig, teamfähig, perfektionistisch, arbeitend bis zur völligen Selbstaufgabe, wenn es nur dem Unternehmenserfolg dient“.

Letztens habe ich an einer Coaching Session mit 6 weiteren Frauen teilgenommen. Die haben sich alle ganz exakt genauso beschrieben.

Da wollte ich meine Selbstbeschreibung gar nicht mehr angeben, das war irgendwie wie kopiert.

Ist das also ein Problem von uns Frauen? Dass wir zuviel tun und wollen. Dass wir zu viel geben und dabei bis zur Selbstzerstörung den Erfolg des Teams und der Firma aber vielleicht unseren eigenen im Kopf haben?

aepfel und muffins auf baumstammAm Schluss stehen wir da und stellen fest:

  • Der Kollege verdient viel mehr als ich!
  • Ich habe alles gegeben, aber der andere wird befördert!

Oder

  • Jetzt hab ich so reingehackelt und bekomme trotzdem nicht den und den Bonus!

Unabhängig sein

Grundsätzlich einmal würde ich sagen, es ist für jeden Menschen wichtig arbeiten zu gehen. Geld zu verdienen und sich seine kleinen und großen Wünsche erfüllen zu können. Sich ein Heim zu schaffen, unabhängig zu sein.

Das gilt für Frauen wie auch für Männer. Aber eben vor allem für Frauen. Weil in dem Moment, wo wir Kinder bekommen, unsere ganze Welt sich verändert – und nie wieder so wird wie früher.

Und nicht das Romantische, Nette, Schöne mit den Kindern, das einem so wundervoll suggeriert wird, meine ich da. Sondern ich rede von der Realität. Von der, wo ich nach 15 Jahren harter Arbeit als Schwangere zwar herzlich beglückwünscht werde, als in den Job rückkehrende Mama aber nicht gerade willkommen geheißen werde.

Und ja vielleicht sogar zu Recht?!

Back to work

Ich hatte mir nach der Karenz mit meinem Sohn vorgenommen gleich wieder total viel zu arbeiten. Nicht Vollzeit, aber doch so dass ich einen „sinnvollen“ Job machen kann.

War topmotiviert und kam mit Ideen und voller Tatendrang in die Firma zurück.

Und dann erschlug mich die Realität. Das Kind wurde krank. Aber nicht einmal pro Halbjahr, sondern mindestens einmal pro Monat! Und dann gleich richtig und lang und alles…

netzwerken auf der wieseUnd dann kam ich auch noch drauf, dass ich eigentlich keine besonders aufregenden Projekte mehr bekam, weil so ganz rechnete man ja dann doch nicht mit mir.

Oder ich war einfach bei den meisten wichtigen Meetings am Nachmittag nicht dabei. Weil ich eben statt den 38,5 Stunden „nur“ 25 Stunden gewählt hatte , um mein Kind in die Fremdbetreuung zu geben.

Dass das Kind dann aber bis zu 40 Stunden dort war, überlegt sich ja auch keiner.

Mama traut sich ja hin und wieder Mittagspause zu machen. Sie kann sich auch nicht vom Kindergarten in die Arbeit beamen. Und, nachdem sie so pflichtbewusst ist, macht sie natürlich die eine oder andere Überstunde.

Und schwupps, sind die 40 Stunden im Kindergarten beisammen.

Dafür verdient Frau aber eben ein 25 Stunden Gehalt und wird nicht gerade unbedingt immer als vollwertige Arbeitskraft wahrgenommen.

speed netzwerken auf der wieseMamasein und Karriere, geht denn das?

Also wurde ich nicht nur in der Firma etwas kritisch beäugt, als „Mama“ (den Ausdruck halte ich manchmal schon gar nicht mehr wirklich aus). Sondern ich wurde auch noch von den richtig guten Mamas verurteilt, dass ich überhaupt arbeiten gehe.

Einige von Euch wissen, dass ich am Donnerstag in der BK Schow sein werde. Es wird dasThema diskutiert, ob man als Mama nicht eigentlich beide Jobs schlecht macht. Und ob man als Frau nicht Mamasein als Karriere verfolgen sollte.

Das Mamasein kriegt man als Berufstätige eben nicht mehr so richtig hin – immer gehetzt, Kind einer fremden Person anvertraut, nicht selbst gekocht, nicht jeden neuen Entwicklungsschritt des Kindes höchstpersönlich in der ersten Sekunde gesehen.

Das Karrierefrau sein geht aber auch nicht mehr so wirklich – Kindergarten ruft an. Kind krank. Du sitzt mitten in dem eeeecht wichtigen Meeting für den eeeecht wichtigen Kunden. Was tun?

Ja ehrlich, was tun?

Ich weiß das wirklich auch nicht. Hab auch kein Patentrezept. Ganz im Gegenteil.

Ich habe mich bei meinem ersten Kind, meinem Sohn, förmlich aufgerieben, zwischen dem Wunsch einen guten, sinnvollen, ergebnisreichen Job zu machen. Ich wollte aber auch eine super überdrüber tolle Mama zu sein, die bedürfnisorientiert und relaxt dem Kind jede Möglichkeit bietet, die es selbstverständlich verdient.

ich bei einer redeHeute bin ich da etwas entspannter.

Ich bin vielleicht in den ersten Jahren nach dem Wiedereinstieg tatsächlich nicht die geilste Managerin  des Jahrhunderts.

ABER

  • Erstens, ich habe dem Vater Staat wieder einen neuen Steuerzahler geschenkt.
  • Zweitens, ich habe dem Vater Staat selbst schon genug Steuern bezahlt. Habe also ein Recht auf meine Mutterzeit, wie auch darauf hin und wieder zur Kinderbetreuung zuhause zu bleiben.
  • Drittens, mein Hirn ist noch da. Das hab ich nicht weggestillt, oder in Häkeldeckchen verpackt und vergessen.

Ich bin effizienter, resilienter, geduldiger geworden. Habe wesentlich besseres Zeitmanagement gelernt (war da schon immer ganz gut, aber jetzt bin ich ein Superstar!). Ich organisiere alles im Schnelltempo, bin ein Multitasker, erfasse Notwendigkeiten versus eben nicht Notwendigem in Sekundenschnelle.

Wie daheim.

Ich brauche vielleicht keine 40 Stunden mehr für meinen Job, sondern nur noch 30!??

Vielleicht gehe ich weniger mit den Kollegen Kaffee trinken (schade, aber ist halt so). Vielleicht spare ich mir das eine oder andere Mittagessen (essen wird eh überbewertet).

Und vielleicht lasse ich ein paar Mascherl bei der nächsten Präsentation weg, die ich früher mal gemacht hätte, weil ich wollte, dass die Power Point einfach perfekt ist.

ruth und ich machen gemeinsame sacheKind und Karriere, klar geht das!

Zum Schluss kann ich sagen, dass Kind und Karriere unbedingt möglich ist! Es ist ja nur, was wir selbst daraus machen. Und ob wir uns ein schlechtes Gewissen einreden lassen von der „Gesellschaft“ (wer genau ist das eigentlich?) oder von anderen Mamas (wieso um alles in der Welt?).

Wir sind mündige Meschen, die wir für uns selbst und für unsere Kinder Entscheidungen treffen. Ich muss nicht jede Sekunde seines Lebens mit meinem Kind zusammenhängen, um eine tolle Mutter zu sein. Und viel Zeit mit dem Kind zu verbringen heißt nicht automatisch, dass diese Zeit die besser verbrachte Zeit ist.

Ich bin sehr zufrieden damit, wie wir das bei uns zuhause machen. Ich würde gerne mehr arbeiten, damit ich mich besser absichere. Dann sehe ich aber nichts mehr von meinen Kindern.

Das will ich nicht. Also verzichte ich bewusst auf ein paar Euro mehr Pension, dafür erlebe ich als Mutter mehr.

Trotzdem bleibe ich am Ball, bin weiter ehrgeizig, interessiert und strebsam. Und genau das sollte für uns alle wichtig sein.

Und simma uns doch ehrlich: Happy mom, happy kids!

Video zur Veranstaltung hier

Bildquelle: Barbara Lachner Fotografin – www.barbaralachner.at

Liebe Barbara, danke, danke für die tollen Bilder und das Video, das du für uns gemacht hast!!!

 

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2 Comments

  • Antworten Katrin 3. August 2020 at 21:58

    Hey, dein live Impulsvortrag war schon auf der Netzwerk Wiesn so toll!! Und hier deine Worte… Was soll ich sagen? Du sprichst mir aus der Seele. K und K funktioniert natürlich! Was heisst überhaupt funktionieren? Was heisst erfolgreich zu sein? Erfolg war für mich noch nie im Hamsterrad zu finden, sondern bedeutet für jeden etwas anderes. “Wenn du tust was du liebst, wirst du nie mehr arbeiten müssen.” sagte mal jemand 😉Versuchen wir uns also nicht in das System zu quetschen sondern passen wir die Gegebenheiten an uns an. Verbiegen wir uns nicht wie die Barbapapas sondern leben mehr in Pipi’s Welt, wie sie uns gefällt😘. Freu mich auf weitere tolle Beiträge über K und K. LG K

  • Antworten Sigrid 4. August 2020 at 19:58

    Meine Liebe, vielen Dank für dein tolles Feedback hier und dort 😉
    Ich kann dir nur vollinhaltlich zustimmen und freue mich, dass wir die “message” an die Frauen und Mütter bekommen. Das ist einfach so wichtig, dass man weiß, dass man nicht allein ist. Und dass trotzdem so viel möglich ist.
    Alles Liebe

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