Persönliche Entwicklung

Selbstbild vs. Fremdbild – ein Selbstversuch

20. August 2020
Frau steht lachend im Wald

Also im Rahmen meines Coachings bei Katja Schuh “Next Career Level” war diesmal eine neue Aufgabe zu bearbeiten:

Frau mit weißer Bluse an die Wand gelehntSelbstwahrnehmung vs. Fremdwahrnehmung. 

Habe mich auch mit diesem Thema schon recht häufig beschäftigt, denn irgendwann kommt man im Laufe der Jahre schon selbst drauf, dass die Umgebung einen anders wahrnimmt als man sich selbst.

Und ganz oft habe ich auch schon zu Leuten gesagt: “WAS? Nein, ich bin überhaupt nicht selbstbewusst. Das wirkt nur so!”

Esel ich!

Heute würde ich so etwas nie mehr sagen. Vielleicht würde ich über gewisse Selbstzweifel mit meinen besten Freunden sprechen, aber nie wieder rausposaunen, dass ich mich selbst gar nicht als so stark und selbstbewusst wahrnehme.

In Wahrheit haben wir ja alle ein wenig das Problem, dass wir uns nicht gerne positiv bewerten, uns aber mit den negativen Beschreibungen von uns selbst ganz leicht tun. 

Also mir geht’s zumindest so.

Wie gemein man zu sich selbst ist

Da denke ich mir, mir fällt immer ein, was ich nicht so gut kann, wie ich nicht so nett und nicht so toll in irgendwelchen Bereichen bin. Wenn ich aber beschreiben soll, was ich gut mache, dann stottere ich herum und fühle mich blöd, weil das Gegenüber ja denken könnte, ich bin total in mich selbst verliebt. “Full of myself” wie die Amis sagen …

Ich stelle fest, das ist mal wieder ein total beliebtes Frauenthema, weil wir bloß nicht zu überzeugt von uns, zu selbstbewusst rüberkommen wollen. Lieber bescheiden, das Licht unter den Scheffel stellen, besser untertreiben als übertreiben. Dass das dann erst recht fast wieder wie ein “fishing for compliments” wirkt, fällt uns oft gar nicht mehr auf.

Denn wie klingt das, wenn ich sage: “Ich bin im Bereich xy eigentlich eh ganz gut” anstatt dass ich sage: ” Im Bereich xy habe ich langjährige Expertise und viel Erfahrung, würde mich daher als Expertin bezeichnen”.

Ist uns das wirklich so peinlich das zu sagen?

Frau steht im Wald mit blauer TascheIst es der Zweckpessimismus?

Hätte ein Mann jemals das Problem seine Fähigkeiten, sein Können oder aber auch seine positiven persönlichen Eigenschaften zu nennen und (im beruflichen Kontext) auch zu verkaufen? Nein, ich denke nicht.

Was also hindert mich auszusprechen, was ich kann und worin ich wirklich gut bin? Warum fallen mir für mich selbst immer mehr schlechte als gute Eigenschaften ein?

Ich glaube das ist eine Art Zweckpessimismus, dass man am Ende des Tages dann positiv überraschen möchte, “wenn sie auf einmal (totaaaaal unerwartet) doch was kann”. Und zur Sicherheit nicht zu dick aufgetragen, falls die Leute doch glauben sollten, dass man eine Null ist und eben nix weiß. 

Mein Experiment

Ich habe also ein paar Freundinnen und Familienmitglieder gefragt, ob sie mir ein paar Adjektive zu mir schreiben können, die ihnen ganz spontan einfallen und ein Adjektiv, wo sie denken, dass ich Verbesserungspotential hätte.

Ja sorry Katja, Themenverfehlung.

Ich habe erst später gelesen, dass sie mir hätten 5 positive und 5 negative Eigenschaften schicken sollen.

Ich hab also unbewusst doch ein fishing for compliments gemacht, denn so habe ich natürlich eine überwältigend nette Nachrichtenflut erhalten.

Aber – siehe da – ALLE haben mir dieselbe verbesserungswürdige Eigenschaft reingeschrieben?!

Und dreimal raten, was das war.

Genau:

  • Selbstbewusstsein verbessern,
  • Selbstzweifel abstellen,
  • Selbstsicherheit verbessern.

Eine ganz liebe Freundin von mir hat’s am nettesten ausgedrückt: “Selbstvertrauen hat noch Potential!”

Die positiven Eigenschaften waren alle so super nett und toll, dass ich fast errötet bin und mir kurz überlegt habe, wie ich diese am besten wieder entkräftige! Oder relativiere. Da wollte ich mir am liebsten denken: naja, die müssen das ja sagen, die sind ja meine Freunde / Familie.

Ja und?

Na eben!

Deswegen sind sie ja meine Freunde, weil sie diese Dinge an mir toll und super finden. Und das muss man lernen auch anzunehmen. Positives Feedback zu nehmen ist für mich oft mindestens so schwierig wie negatives. 

Businessfrau mit Laptop sitzt auf ParkbankFür die Zukunft 

Irgendwann wäre es ja schon fein, wenn man sich selbst ein paar gute Eigenschaften zugesteht und nicht ganz so hart mit sich selbst ins Gericht geht, oder?

Schlechte Eigenschaften haben wir ohnehin alle, aber eben auch gute. Warum also nicht mal die vordergründig fühlen? Warum nicht an die glauben?

Und zum nächsten Vorstellungsgespräch, in die nächste Präsentation oder ins nächste wichtige Meeting mit neuer Haltung gehen. Nicht,  dass man “so schlecht ja gar nicht ist”, sondern dass man einfach gut ist. Und das kann, wofür man hier ist.

Sonst hätte man den Job, die Position oder was auch immer vermutlich ja auch nicht, oder?

Was sind Eure Gedanken zu dem Thema?

Fallen Euch zu Euch selbst spontan mehr gute oder schlechte Attribute ein – und traut Ihr sie Euch auch laut zu sagen?

Freue mich auf Kommentare und Feedback.

Bis bald auf ein Wiederlesen,

Eure Sigrid

 

Bildquelle: miriamblitzt – Miriam Mehlman Fotografie

Den Anzug in Grün habe ich von Katja Schuh ausgeliehen. Sie besitzt ja auch eine Businesskleidungsmarke für Frauen: V Suit by Katja Schuh

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1 Kommentar

  • Antworten Join the "Next Career Level" by Katja Schuh - mamawahrheiten 20. November 2020 at 21:00

    […] Selbstbild vs. Fremdbild – ein Selbstversuch […]

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