Persönliche Entwicklung

Eine Ode an das schlechte Gewissen

26. August 2020
Bussi fuer das Baby

Musste grad fast heulen…

Meine kleine Tochter wird gerade bei der Tagesmutter eingewöhnt, während mein Sohn noch ein paar Tage bei ihr ist. Er wird demnächst in den Kindergarten wechseln. Das löst bereits ein komisches Gefühl bei mir aus.

lachend werfe ich meinen sohn ueber die schulterPragmatisch oder emotional?

Ich würde mich nicht als besonders emotionale Mutter bezeichnen, die jedes Mal einen Heulkrampf bekommt, wenn die Kinder etwas Neues zustande bringen.

Klar, rufe ich verzückt “Bravo”, wenn meine Kleine zu gehen beginnt oder mein Sohnemann gaaaanz rauf auf den Kletterturm kommt.

Aber im Großen und Ganzen würde ich mich als bodenständig bezeichnen. Pragmatisch, sag ich auch oft dazu.

Doch dann kommen die Momente, wo man auf einmal das Gefühl hat heulen zu müssen. Eben, wenn man das eine Kind wo abholt und das andere bleibt noch da.

Wie heute eben bei der Tagesmutter, als ich die Tochter abgeholt habe (die bleibt ja nur ganz kurz da, zum Eingewöhnen eben). Der Sohn bleibt noch bis nach dem Mittagessen.

Die schlechte Mutter

Jetzt könnte man sich fragen, warum nimmt sie den Sohn denn nicht auch gleich mit nachhause???

Ganz einfach, weil sie froh ist, dass sie mit einem schlafenden Kleinkind heimgeht und daher ca. eine Stunde Zeit für sich genießt. Die Egoistin.

So, das trau ich mich einfach.

Anstatt mich liebevoll um meine Kinder zu kümmern, sitze ich zuhause und ja, schreibe zum Beispiel diesen Beitrag.

Weil es mich freut, weil es mir Spaß macht und weil ich die Zeit für mich brauche.

spaziergang mit kindern vollbepacktDas schlechte Gewissen frei Haus

Und hab ich ein schlechtes Gewissen?

JA!

Und warum?

Keine Ahnung.

Warum eigentlich?

O, du mein schlechtes Gewissen, mein bester Freund, seit ich Kinder habe.

Du begleitest mich den ganzen Tag. Jeden Tag. Immer.

Alles, was ich mache, ob beruflich oder kinderbezogen, verschafft mir seit so ungefähr drei Jahren ein schlechtes Gewissen.

Sein Ursprung

Heute habe ich eine Freundin getroffen, die ebenfalls meinte, mit dem kleinen Geschöpf, das man dir nach der Geburt auf den Bauch legt, kommt gleich der Rucksack an schlechtem Gewissen gratis mit dazu.

Ich habe ja bereits zwei Blogposts zum schlechten Gewissen geschrieben (Das schlechte Gewissen – oder warum man nie eine gute Mutter sein wird (Teil 1) und Das schlechte Gewissen – oder warum man nie eine gute Mutter sein wird (Teil 2))

Damals dachte ich noch, das ist vielleicht ein kurzfristiges Phänomen, das sich mit den zwei Kindern anfangs besonders verschärft. Mittlerweile ist mein Alltag dadurch stark eingenommen.

Nicht nur nur das ständige Vergleichen mit anderen Müttern, was die im Bezug auf Kindererziehung schaffen und man selbst nicht (Achtung: selektive Wahrnehmung!).

Ich meine vor allem auch das Bewundern der erfolgreichen “Businessmamas”, die mit Leichtigkeit ihre Traumjobs und die Kinderbetreuung schupfen. Die neben ihren fordernden Jobs, die sie vollinhaltlich beglückt ausfüllen und ausführen, die Kinder bravourös handeln, ohne mit der Wimper zu zucken.

Dabei sehen sie natürlich wundervoll aus, sind sportlich, kochen, backen und verbringen noch massenhaft Zeit mit ihren Kindern auf spannenden Ausflügen. (Instagram Alarm!)

Währenddessen hängst du selbst am Abend völlig durch, dabei hattest du doch beide Kinder in der Betreuung und “sonst nicht so viel zu tun.”

mama schneidet apfel mit sohnAlso doch eine schlechte Mutter…

Dann beschleicht dich auch noch das schlechte Gewissen, dass du deinen Kindern nicht gewachsen bist, dass du sie viel zu gerne abgibst.  Dass du einfach nichts richtig machen kannst und daneben ausschaust “wie dem Tod sein Spion” (Aussage meiner Oma, deren Sprüche ich immer urplötzlich aus dem Unterbewussten krame….)

Was ist das also mit dir, du unnützes, lähmendes, destruktives schlechtes Gewissen?

Was hilfst du uns? Woher genau kommst du?

Sind es vielleicht die “gesellschaftlichen Normen”, die uns glauben machen wollen, dass man nur so oder so eine “gute Mutter” ist.

Oder wer genau sagt denn, dass du in ein paar wenigen Teilzeitstunden automatisch eine unnütze oder unproduktive Arbeitskraft bist?

Ich kann dazu nur eines feststellen:

  1. Das schlechte Gewissen entsteht im Kopf einer jeden einzelnen von uns – selbstgemacht
  2. Nachdem sich scheint’s jede (berufstätige) Mutter damit herumquält, könnte man sich langsam fragen, ob das alles nicht einfach nur übertrieben ist
  3. Irgendeinen Schaden nehmen sich die Kinder schon mit ins Erwachsenenleben. So gut können wir sie gar nicht betreuen. Irgenwann werden sie kommen und dir sagen: “Mama, dieses Trauma hab ich von dir”
  4. Lassen wir uns nichts einreden. Das Muttersein ist uns nicht in die Wiege gelegt. Das müssen wir alle lernen! Und beim Lernen macht man Fehler. Punkt.
  5. Unsere Arbeit können wir immer noch gleich gut machen. Vielleicht kommt uns manchmal was dazwischen. Blöd. Aber Intelligenz und Leistungsfähigkeit sind gleich geblieben. Die Höchstleistung ruht vielleicht mal ein Weilchen, kann aber jederzeit reaktiviert werden.

spazierende beineAlso keine Angst haben

Die anderen sind genauso gut oder schlecht wie wir.

Und ich bin für meine Kinder die beste Mutter, die ich sein kann.

Was denkt Ihr darüber. Habt Ihr auch oft ein schlechtes Gewissen und behindert es Euch? Oder steckt Ihr es einfach so weg?

Freue mich über Eure Kommentare.

Auf ein baldiges Wiederlesen,

Eure Sigrid

 

Bildquelle: miriamblitzt – Miriam Mehlman Fotografie

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