Persönliche Entwicklung

Die Erwartungserwartungen

27. September 2020
Lachend mit Sonnenbrille gestikulierend

“Supernormale Helden, reflektierte Killer und mädchenhafte Diven – Rollenbilder im Bild”

So nannte sich der Workshop, an dem ich letzte Woche im Rahmen einer Online Konferenz “Mensch.Macht.Rollenbild” von ONtime teilgenommen habe.

Ich gehe lächelnd mit einer Tasche in der Hand spazierenEin Workshop zum Nachdenken

Im Rahmen des Workshops haben wir besprochen, welche Rollenbilder oder auch Stereotypen wir im Kopf haben, wenn wir bestimmte Bilder sehen. Normalerweise reicht ja schon ein Gedanke, eine Idee und wir haben eine gewisse Vorstellung, wie eine Person sich verhalten, aussehen oder sein könnte.

Was ich aber besonders interessant fand, war der Begriff der “Erwartungserwartungen”, der in diesem Zusammenhang auch von Frau Prof. Aglaja Przyborski genannt wurde. Ich glaube, das ist mein neues Lieblingswort. 

Es beschreibt einfach so perfekt die Lebenseinstellung, die ich manchmal habe.

Was bedeutet das?

Das bedeutet  nichts anderes als das, was man selbst erwartet, was die anderen von einem erwarten. 

Und wie oft schon lag ich falsch!

Und wie oft schon habe ich mir nächtelang Gedanken über Dinge gemacht, weil ich dachte, jemand erwartet sich von mir etwas. Eine Leistung, ein Ergebnis, eine Aktion. Zumeist hatte ich diese Gedanken im Zusammenhang mit der Arbeit, aber das trifft natürlich auch sehr häufig auf den privaten Bereich zu.

Was glaubst du, was deine Mutter von dir erwartet oder möchte.  Was deine Geschwister, die Oma oder die kranke Tante vielleicht von dir wollen könnten.

Ohne tatsächlich zu fragen oder etwas direkt abzuklären, denken wir automatisch: “Das wird sich der andere garantiert von mir denken…”.

Ich sitze mit Laptop auf dem Schoß auf der ParkbankAm Arbeitsplatz

Wenn ich zum Beispiel innerhalb meiner Firma die Position wechselte, ist es mir nicht nur einmal passiert, dass ich dachte, man erwartet sich innerhalb von einem Monat die Perfektion im Job von mir. Man wird glauben, dass ich in einer völlig neuen Abteilung mit völlig neuen Herausforderungen innerhalb von wenigen Wochen maßgebliche Verbesserungen herbeiführen  kann. Und sowieso alles richtig  mache. Und ganz bestimmt sofort immer weiß, worum es geht.

Logisch, oder?

Niemals hätte ich in Betracht gezogen, dass man mir ein wenig Spielraum zum Lernen geben würde. Dass ich vielleicht auch einen Fehler machen dürfte. Oder einmal etwas nicht wissen.

Undenkbar. 

Doch in der letzten Zeit habe ich noch mal über diese, meine Erwartungserwartung, nachgedacht.

Wie verhalte ich mich selbst

Wie gehe ich an neue Mitarbeiter heran? Wie behandle ich die?

Ich begrüße sie freundlich.

Ich versuche ihnen zu erklären, worum es in dem Bereich/der Abteilung/der Aufgabe geht.

Ich habe Verständnis, wenn bei der ersten Präsentation etwas noch nicht ganz richtig ist. Und verstehe vollkommen, dass der oder die Neue noch nicht alles Zusammenhänge begreift. 

Warum also glaube ich, dass das bei mir selbst nicht der Fall sein könnte?

Ist stehe mit dem Laufrad meines Sohnes in der Hand und sehe zurückVerdiene ich wirklich so viel, dass ich meine, bereits als perfekter Wunderwuzzi in den neuen Job/in die neue Firma kommen zu müssen?

Also ehrlich gesagt, auch wenn ich nicht am Hungertuch nage, bin ich kein derartiger Top-Verdiener, dass man von mir erwarten könnte, dass ich am ersten Tag einer neuen Aufgabe bereits perfekte Ergebnisse abliefere.

Ich will hier nicht sagen, dass man sich nicht bemühen sollte, so rasch wie möglich so effizient wie möglich zu sein. Oder sich “hineinzutigern” und möglichst rasch mitreden und mitentscheiden zu können. Nein, das meine ich beim besten Willen nicht.

Ich meine nur, dass man vielleicht nicht immer so streng mit sich selbst sein sollte, WEIL ES DIE ANDEREN AUCH NICHT SIND!

Was also tun?

Nur man selbst verurteilt sich, weil man nicht innerhalb von drei Tagen die USA regieren kann.

Die anderen sind es nicht. 

Also arbeiten wir doch an unseren Erwartungserwartungen (ui, ich liiiiiiiebe dieses Wort einfach!), und machen uns selbst das Leben ein wenig einfacher.

Indem wir weniger streng mit uns selbst sind. Bei jeder neuen Aufgabe einmal kurz auf die Seite treten und uns bemühen, so gut es geht, objektiv zu definieren, was denn jetzt wirklich gerade von uns verlangt wird (oder den Chef fragen, hilft oft auch…).  *ggg*

Und fragen wir die Mama, Oma, Schwester doch einfach, was sie wirklich von uns wollen! Vielleicht brauchen sie einfach auch gar nichts von uns???

Was sind Eure Erfahrungen mit dem Thema?

Freue mich wie immer auf Eure Kommentare.

Bis bald auf ein Wiederlesen,

Eure Sigrid

Titelbild: Barbara Lachner Fotografin

Weitere Bilder: miriamblitzt – Miriam Mehlman Fotografie

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