Ein Kind ist kein Kind

Mutter, Maschine, Multitasker – Manager

3. Oktober 2020
Mama mit zwei Kindern am Spielen

Schön langsam beschleicht mich das Gefühl, dass ich am liebsten jeden Post mit “Heute war wieder so ein Tag…” beginnen möchte.

Familienwochenende stand am Plan, der Mann wollte eine Runde laufen gehen und plante zu Mittag kurz zu einem Event zu gehen.
Ich, motiviert und guter Laune, wollte gegen 10 Uhr vormittags die Kinder zum Spielplatz bringen und einen gemütlichen Vormittag verbringen. Danach sollte die Kleine schlafen, der Große ein wenig fernsehen – und ich würde mich ausruhen und vielleicht sogar neben meinem Fernsehkind kurz die Augen schließen.

Wie kam es dann tatsächlich?

So manch einer kann es sich vielleicht schon vorstellen.

Während der Mann seine Laufrunde drehte, wollte ich die Kinder fertigmachen und aus irgendeinem – wirklich unerfindlichen – Grund befand ich die Gewandlade meiner Tochter als zu unaufgeräumt. 

Also wollte ich “schnell mal” die zu kleinen Kleidungsstücke aussortieren. Und diese gegen die neuen größeren, die schon im Schrank verwahrt aufs Anziehen warten, austauschen. Wir bekommen immer Unmengen an Gewand von meiner Schwester geschenkt, deren Sohn und Tochter jeweils um ein Jahr älter als meine beiden ist. Man kann sich denken, wie das abläuft. 

Äußerst angenehm für mich nämlich, muss ich fast nichts kaufen. Aber das klassische First World Problem: Wohin mit all den Sachen? 

So beginnt man das Kleidungsmanagement

Und hofft, man vergisst nicht allzu viele Teile. Denn es kommt schon mal vor, dass man etwas irgendwohin geräumt hat und nach der jeweiligen Saison draufkommt, dass das Kind dem Ding schon letzten Sommer entwachsen ist.

Nun begann ich also zu sortieren. Schwerer Fehler!

Denn da musste ich auf einmal alle Laden beider Kinder umräumen. Irgendwie war alles durcheinander geraten. Buben-und Mädchenkleidung in sämtlichen erdenklichen Größen umgaben mich und die spielenden Kinder im Handumdrehen. 

Ich umarme meine kleine TochterZwischendurch schmiss ich noch einiges an Kleidung in die Waschmaschine. Dann in den Trockner. Schnell wechselte ich am Kinderwagen von Sommerdeck auf Winterdeck, sortierte die Nähwäsche und verhinderte das hektische Wiederrausreißen aller gerade zusammengelegten Kleidchen durch meine Einjährige.

Achja und ganz nebenbei kämpfte ich mit meinem Sohn in einem Ritterduell um mein Leben. 

Und so geht’s dahin…

Schließlich kam der Mann heim, der dann auch wieder zu seiner Veranstaltung verschwand. Dazwischen ging sich meine Dusche aus. Das Haare Föhnen war allerdings nicht mehr drin. Aber gut, das ist ohnehin überbewertet. Die Haare trocknen ja auch von selbst. 

Und wer schaut beim Zuhause Rumhängen schon auf seine Schönheit? Oder darauf, dass die Haare in die richtige Richtung vom Kopf abstehen. Richtig, niemand, der mit Minuten kalkuliert. Dazu zwei schriftliche Ergüsse meinerseits: Mama Beauty – oder warum ich mir die Haare nicht mehr waschen will (Teil 1)Mama Beauty – oder warum ich mir die Haare nicht mehr waschen will (Teil 2)

Das soll bitte nicht heißen, dass ich die ganze Zeit wie Quasimodo rumlaufe. Aber ich priorisiere eben. Und am Wochenende, wo mich kaum jemand sieht, und ich nur am Spielplatz rumhänge,  werde ich ohnehin nur sandig und schmutzig. Da lass ich mir das schon mal durchgehen, dass die Frisur nicht sitzt (gibts den Drei-Wetter-Taft eigentlich noch?).

Nun gut. Also wollte ich – wie schon seit Tagen geplant – die Tomaten, die wir von unserem familienfreundlichen Super-Bio-Acker geerntet haben, zu einem Sugo verkochen und einfrieren.

Ach, das klingt wieder nach perfekter Hausfrau, ich freu mich 🙂 

Das Haus verlassen

Allerdings hinderte mich das dritte Frühstück meiner Kinder an der Durchführung meines Planes. Ich schaffte es immerhin bis 11 Uhr meine Tomaten zu waschen und die Zwiebel dazu auf die Kücheninsel zu platzieren. 

Mein Sohn versucht sein Butterbrot zu schmierenDann kam mir, dass es doch schon sehr spät geworden war und verwarf das Tomatensugoprojekt einstweilen. Versuchte ich doch meinen Dreijährigen zu überreden mich nach unten zum Anziehen zu begleiten.

Irgendwann war es dann 12 Uhr geworden – die Zeit, wo meine Prinzessin normalerweise ins Land der Träume geschickt wird. Ich sah meinen Mittagsschlaf bereits schwerst gefährdet. 

Nichtsdestotrotz – die Kinder brauchen ja dringend täglich ganz, ganz viel frische Luft – brachen wir in den Hof unseres Hauses auf. Ich wollte nicht weit gehen, schnell in die Sandkiste, dreimal geschaukelt, wieder zurück in die Wohnung. 

Ich hatte allerdings nicht mit dem Nachbarsbuben gerechnet, der ebenerdig mit dem Spielplatz wohnend, meinen Herrn Sohn zum Spielen in sein Spielzimmer einlud.

Und vorbei wars mit der Mittagspause. 

Die Tochter schlief dann unter lautem Geheule im Kinderwagen ein, doch war auch das nicht von Dauer.

Schließlich bot mir der freundliche Nachbarspapa an, meinen Sohnemann unten zu lassen und meine Kleine oben hinzulegen. 

Doch ich hatte nicht mit meiner Kleinen gerechnet. Kaum oben angekommen, ging das Gebrüll los und dauerte eine geschlagene Stunde an.

Dazu möchte ich sagen, dass mir zwischendurch wirklich mulmig wurde. Sie gebärdete sich derartig, ein Hysterieanfall erster Güte, dass ich irgendwann doch unsicher wurde, ob sie nicht doch Schmerzen hätte. Wie erkenne ich das? Was macht man dann? Kind wirft sich kreischend hin und her?

Entscheide mal zwischen Mittelohrentzündung und Schlafmangel. Partner, den man vielleicht hätte zu Rate ziehen können, natürlich nicht anwesend.

Als ich meinen Sohn aber doch wieder holen musste, packte ich das schreiende Bündel in die Trage. Ich watschelte mit Schlapfen, ohne Brille, mit halbnacktem Kind in der Trage wieder ins Erdgeschoß, um dort meinen Kleinen anzubetteln, er möge doch wieder mit mir kommen.

Ich koche mit meinem Sohn gemeinsam

Muss ich erwähnen, dass es eine Stunde dauerte, bis ich den Kleinen oben hatte?

Ach, jetzt fällt mir gerade ein, dass ich all unser Sandspielzeug unten in der Sandkiste vergessen habe. Das konnte ich bedauerlicherweise nicht mehr mittransportieren. Mal sehen, ob ich es morgen noch finde. ..

Alles hat ein Ende

Schlussendlich habe ich es geschafft die Tomaten zu verkochen und als Tomatennudeln zu servieren. Allerdings musste ich noch eine Jause zwischen Spielende des Sohnes um 15.30 Uhr und Abendessen um 17.30 einbauen.

Wie können Kinder nur so viel und so oft essen? Wo essen die das hin? Wenn ich im Verhältnis so viel essen würde, könnte man mich mit einem Kran aus dem Bett heben, vermute ich mal.

Der Tag fand ein Ende, als ich die völlig erledigte Rasselbande um 19.30 im Bett hatte. 

Jetzt sitze ich daheim am PC, ein Glasl Prosecco und eine Portion Nudeln aus dem Packerl später. Ja, die Kinder haben die selbstgemachten Tomatennudeln ratzeputz allein aufgefressen. Und verantwortungsbewusst wie immer habe ich die restliche Sauce für die lieben Kinderlein gleich mal eingefroren. 

Da soll mir noch einmal einer sagen, dass wir Mütter nicht Management Skills ohne Ende an den Tag legen.

  • Flexibilität
  • Resilienz
  • Umgang mit der Ungeduld / Konfliktmanagement
  • Multitasking
  • Effizienz
  • Problemlösungsorientierung etc. etc.

Ich glaube, mich hat meine Mutterschaft noch viel fitter für den Arbeitsmarkt gemacht. So ruhig, wie ich jetzt in der Arbeit bei diversen Problemchen bleiben kann, ist unbezahlbar 😉

Was denkt Ihr darüber? Freue mich, wie immer, über Eure Kommentare.

Bis bald auf ein Wiederlesen,

Eure Sigrid

Bildquelle: miriamblitzt – Miriam Mehlman Fotografie

Das könnte Dir auch gefallen

Keine Kommentare

Hinterlasse eine Antwort