Mütter im Beruf

Sinnsuche und beruflicher Wiedereinstieg der Teilzeit Mütter

14. Januar 2021
Lachend und telefonierend Laufrad haltend

Hast du dir schon mal die “Sinnfrage” gestellt?

Was ist der Sinn deines Lebens? Warum bist du hier? Was willst du bewirken oder hinterlassen?

Nein?

Meine beiden Kinder beim SpaziergangLife changing moments

Hatte ich mich auch nicht so richtig gefragt, bis zu dem Zeitpunkt, als ich tatsächlich Kinder bekommen habe.

Früher einmal habe ich hauptsächlich gearbeitet, soweit ich konnte an meiner Karriere gebastelt, Freunde getroffen, ein bisschen Sport gemacht. Aber wirklich damit beschäftigt, was ich für die Nachwelt hinterlasse (außer die Umwelt zu schützen, so gut ich kann), habe ich nicht. 

Nun habe ich also zwei Kinder.

Beim ersten, meinem Sohn, ist mir erstmal nicht so viel aufgefallen. War ich doch nur mit dem Überleben (meinem eigenen und dem des Kindes) beschäftigt. Als ich dann wieder in den Job zurückkehrte, wollte ich durchaus wieder Gas geben. Leider machten mir die andauernden Kinderkrankheiten meines Sohnes einen Strich durch die Rechnung. Fast schon klischeehaft…

Aber ganz tief in mir drinnen spürte ich außerdem, dass die Aufgaben, die ich bis zu dem Zeitpunkt immer sehr gerne erfüllt hatte, mir nicht mehr ganz so viel Spaß machten. Und die Dinge, mit denen ich mich beschäftigte, mir irgendwie nicht mehr so viel bedeuteten. 

Schließlich wurde ich noch mit meiner Tochter schwanger. Als sie auf der Welt war, begann es dann sehr deutlich in mir zu brodeln. 

Was will ich meinen Kindern vorleben? Welche Werte möchte ich ihnen mitgeben? 

UND

Ich will einen Job machen, eine Aufgabe haben, mit der ich etwas bewirke. Was ich früher als wichtig und essentiell erachtet habe, finde ich heutzutage irgendwie nicht mehr so mega interessant. Es hat sich so viel verändert in meinem Leben – und so hab wohl auch ich mich sehr verändert.

Muss das Leben einen Sinn haben?

Die Frage ist natürlich, was bedeutet “sinnvoll”.  Das ist mit Sicherheit für jeden etwas anderes.

Ich persönlich habe während meiner zweiten Karenz das Bedürfnis entwickelt zu schreiben. Mich auszudrücken und auszutauschen. Über meinen Blog, über Social Media und diverse Netzwerke.

Ich möchte mich aber auch beruflich weiterentwickeln. Frei nach dem Motto “lifelong learning”, das ich super finde!

In meinem Fall ist es so, dass ich gerne etwas für Kollegen und (potentielle) Mitarbeiter tun will. Ich will sie bei ihrer persönlichen und professionellen Entwicklung unterstützen. Ihnen einen Sinn in ihrer Arbeit vermitteln. Und einen angenehmen, spannenden Arbeitsplatz mit vielen Möglichkeiten bieten.

Oder so etwas in der Art. 🙂

Mich interessieren momentan so viele Dinge, mit denen ich mich früher nie beschäftigt habe. Ich begeistere mich für ganz neue Dinge, wie die Digitalisierung des Lernens, New Work und die Employee Experience zum Beispiel. Diese Ausdrücke haben mir vor vielleicht zwei Jahren absolut nichts gesagt.

Aber die Zeiten ändern sich eben mit neuen Lebensabschnitten und so auch die Ziele und Vorstellungen für das weitere Leben.

Mal sehen, wo mich die Zukunft noch hintreibt 🙂

Ich bin nicht allein

Nun bin ich aber wahrlich nicht die einzige, die sich solche Gedanken macht.

In meinem Umfeld gibt es mittlerweile eine Unzahl an Müttern. Während oder kurz nach ihrer Karenz haben sie alle bemerkt, dass dieser private riesige Einschnitt in ihr Leben auch etwas in ihrer Einstellung zur Arbeit und zum Job bewirkt hat. 

Und dann gehen sie, ähnlich wie ich, auf die Suche.

Doch was finden sie?

Leider nicht allzu viel. 

Ist der Wunsch nach einem Teilzeit Job da, dann müssen sich die meisten Mütter mit weniger spannenden Aufgaben bzw. sogar Degradierung auseinander setzen. Und so wie es genügend Frauen gibt, denen das nicht so wichtig ist, weil sie ihre Rolle als Mutter priorisieren, gibt es doch einige Frauen, die mehr wollen.

Quo Vadis?

Nicht viele Jungmütter haben mit ihren Arbeitgebern solch ein Glück wie ich. Wo man durchaus gefragt wird, was man sich nach der Rückkehr als Aufgabenbereich vorstellen kann. Oder sich tatsächlich wünschen kann, wie viele Stunden man zurückkommen möchte.

Prinzipiell ist das zwar gesetzlich so geregelt.  Ich habe aber schon von einigen gehört, die mehr oder weniger subtil kommuniziert bekamen, dass sie doch bitte mindestens so und so viele Stunden zurückkommen sollten – sonst gäbe es am Ende wirklich nur einen nichtssagenden Hilfsjob. Oder aber, dass sie froh sein müssten, dass sie überhaupt einen Job bekommen würden.

Da frage ich mich manchmal, ob die Unternehmen es sich wirklich leisten wollen, dass die früher so motivierten Frauen mit unheimlich viel Know How irgendwo in der Ecke “verstauben”. Anstatt, dass die Arbeitnehmerinnen ihre (auch durchs Muttersein neu hinzugewonnenen) Skills nutzen und für den Firmenerfolg einsetzen.

Warum kann “frau” den alten Job nicht in weniger Zeit erledigen und sich die Aufgaben vielleicht sogar mit jemand anderem (einer anderen Teilzeitmama?) teilen? Nur so als Idee…

Die Crux

Klar kommst du bei uns als kündigungsgeschützte Teilzeitmama zurück. Die Firma muss dich zum gleichen Gehalt (anteilig) wieder einstellen und dich für ganz schön viele Jahre bedingungslos behalten. Natürlich ist das für viele (vor allem kleine) Unternehmen eine wirtschaftliche Herausforderung.

Und auch wenn das für die Frauen erstmal ganz schön klingt, ist das für den Selbstwert nicht immer so perfekt. Schließlich möchte man ja auch aufgrund seiner Leistungen und Fähigkeiten in seinem Job sitzen und nicht, weil der Arbeitgeber keine andere Option hat.

Ist es wirklich verwunderlich, dass viele Mütter sich beim Wiedereinstieg mehr wünschen als das?

Aber gut, so ist es nun mal, ein System mit vielen Vor-und Nachteilen. Und sicher stimmt es, dass wir im Bezug auf Sicherheit durchaus auf einer Insel der Seligen leben, wenn man sich da international vergleicht.

Lachend mit Laptop am Schoß arbeitenDie Selbstständigkeit als Ausweg?

Wenn für einen aber nicht nur die Sicherheit zählt, sondern man sich im Job gerne verwirklichen möchte, dann wird die Sache schon etwas schwieriger. Wenn man die Erfüllung vielleicht nicht allein im Muttersein findest, sondern auch sehr gerne – mit etwas weniger Zeitinvestment als früher – eine wertvolle Arbeitskraft für sein Firma und seinen Bereich sein will.

Sollte einem also als Wiedereinsteigerin nach der Karenz der angebotene Job nicht so gut gefallen, kann man sich ja eine neue Herausforderung suchen.

Zumindest kann man es mal versuchen.

Denn attraktive Umstiegs-oder Neueinstiegsmöglichkeiten in Teilzeit bieten sich am österreichischen Arbeitsmarkt eher wenige. Weswegen sehr viele Frauen und Jungmütter während ihrer Karenz oder Teilzeitbeschäftigung mit Fortbildungen beginnen. 

Um sich des Öfteren einfach selbstständig zu machen.

Aber warum genau ist das so?

Weil man sich als Selbstständige die Arbeitszeit flexibel einteilen kann! Weil man manchmal abends, manchmal ein paar Stunden hier und ein paar Stunden da, oder an Randzeiten arbeiten kann.

Und ja genau: weil die Frauen in ihrer Arbeit wieder (ihren neuen) Sinn zu sehen wollen. 

Für Angestellte ist es weitaus schwieriger sich neu zu orientieren und eventuell etwas ganz anderes als früher zu machen. Eine Teilzeitkraft mit wenig Vorerfahrungen im neuen Arbeitsbereich und noch dazu kleinen Kindern ist auf dem Arbeitsmarkt faktisch unvermittelbar.

Ich bin schon sehr gespannt, was Covid-19, der Trend zu New Work und flexiblen Arbeitsmodellen und die ganze Homeoffice Geschichte bringen wird. Ob sich die Unternehmenskulturen tatsächlich so weit verändern werden, dass Frauen, die aus der Karenz in Teilzeit zurückkommen auch mehr berufliche Chancen haben werden. 

Was denkt Ihr dazu?

Freue mich wie immer über Kommentare.

Bis bald auf ein Wiederlesen.

Eure Sigrid

Bildquelle: miriamblitzt – Miriam Mehlman Fotografie

Das könnte Dir auch gefallen

4 Comments

  • Antworten Juan 24. Januar 2021 at 8:03

    Hallo liebe Sigrid, ich habe deinen Blog gelesen, wie schön es ist zu wissen, dass sich immer noch Menschen fragen, welche Werte wir unseren Kindern und ihrer nächsten Generation geben müssen.
    Die Welt verändert sich Viele positive Häuser, aber gleichzeitig sind viele schöne verloren gegangen. Beispiel: Lächeln
    Ich hoffe, dass der nächste Schritt, den Sie tun, positiv ist und dass Sie genießen können, darum geht es im Leben, wir sind nur ein paar Mal im Vorbeigehen.
    Ich wünsche dir einen schönen Sonntag von Sylt

  • Antworten Sigrid 27. Januar 2021 at 22:10

    Danke, Juan, für den Kommentar. Ich denke, dass es Gott sei Dank sehr viele Familien gibt, die sich eben über genau diese Dinge Gedanken machen.
    Es sind oft die kleinen Dinge, die besonders wichtig sind, da kann ich dir nur recht geben.
    Und ich finde auch, dass es das Wichtigste ist, sein Bestes zu geben – auch wenn es nicht immer perfekt ist. 🙂
    LG aus Wien

  • Antworten Katharina 29. Januar 2021 at 0:32

    Liebe Sigrid, ich habe gerade deinen blog gelesen und dachte fast, da steht meine Geschichte 😅 und ganz genau wegen all dem, was hier steht, hab ich beschlossen jobsharing in Österreich zu etablieren/ermöglichen. Dann ist Teilzeit auch kein Komplexitätsfaktor sondern das neue Arbeiten. Würde mich irre gern mal mit dir näher austauschen! Vl magst du ja mal bei http://www.Jobtwinner.com reinschauen 🙂 alles liebe Katharina (39, 2-Fach Mama :))

  • Antworten Sigrid 29. Januar 2021 at 23:19

    Hallo Katharina, danke für deine Nachricht. Freue mich immer über Mitstreiterinnen zu dem Thema 🙂 Ich hoffe, wir hören uns bald, alles Liebe, Sigrid

  • Hinterlasse eine Antwort