Der Teilzeitkarriere Talk

Politik Talk Teilzeit Karriere mit Petra Wimmer SPÖ

20. Januar 2022
SPÖ Abgeordnete Familie Petra Wimmer im Gespräch über Teilzeit und Karriere mitSigrid Uray

NRAbg. Petra Wimmer zu Gast im Teilzeit Karriere Talk

Sprecherin für Familie SPÖ

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Frauen haben in der Krise zurückgesteckt

In dieser Folge diskutieren wir darüber, dass Corona  bedingt und aufgrund der “automatischen” Verpflichtung zur Kinderbetreuung die Frauen seit Beginn der Krise deutlich mehr zurückstecken mussten als die Männer – und dafür auch ihr berufliches Fortkommen zurückgestellt haben.

Die Frauen in Österreich blieben bzw. bleiben auch jetzt daheim und jonglieren den Alltag.  Frauen in Teilzeit verdienen nicht nur wenig, sie haben quasi alles andere auch noch übernommen. Und eine Besserung ist derzeit auch nicht in Sicht.  Von Teilzeit Karriere und Karrieremöglichkeiten für Mütter ist somit momentan gar nicht mehr zu sprechen.

Wie wir alle wissen, sind Frauenberufe sind nicht so wichtig wie die Berufe des Mannes (!?!). Was wir in Österreich brauchen, ist mehr Gleichgewicht! Gleichberechtigung  muss im Kopf stattfinden , wir müssen es leben und auch den nächsten Generationen vorleben.

Politik muss Voraussetzungen schaffen, dass Frauen ihren Job auch leben können

Natürlich besprechen wir auch das Angebot der Kinderbetreuungseinrichtungen. Ein Thema, an dem man einfach nicht vorbei kommt, wenn man über die Teilzeitthematik spricht.

Es braucht einfach gewisse Mindestöffnungszeiten der Betreuungsstätten – damit den Frauen der Beruf und die Ausübung von genügend Stunden auch ermöglicht wird

Dazu existiert auch ein Sozialpartnerpapier:

ÖGB, AK, Bäuerinnen und IV haben sich zusammengesetzt und diskutiert, wie Kinderbetreuung aussehen müsste, um Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie zu schaffen.

Frau Wimmer erzählt mir von deren Vorschlag 1% des Bruttoinlandproduktes aufzuwenden, um Plätze zu schaffen und hier vor allem den Fokus auf die Ausweitung für unter 2,5 Jährige zu legen. 

Die Stakeholder haben sich schon was überlegt, aber nun lässt die politische Umsetzung auf sich warten!

Ist im ländlichen Bereich die Nachfrage etwa nicht da?

Ich frage die Nationalratsabgeordnete der SPÖ und Familiensprecherin warum das Geld zum Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen oft gar nicht abgeholt wird.

Es gibt ja bei den Öffnungszeiten der Kindergärten ein sehr starkes Gefälle zwischen Stadt und Land. Als Antwort meint Frau Wimmer, dass  ohne Angebot auch keine Nachfrage entstehen wird. Und bezüglich der Mittel muss man auch beachten, wer das Geld erhält und wieviel es tatsächlich ist. Denn viele Gemeinden können sich trotz Förderungen größere Bauprojekte und deren Erhalt schlichtweg nicht leisten.

Was können wir tun?

Wir sind beide davon überzeugt, dass die Wirtschaft auch Interesse daran haben muss, dass die Frauen als Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Stichwort Fachkräftemangel etc. etc.

Als Erstes, meint Frau Wimmer, müsste man das Sozialpartnerpapier umsetzen.

  • Die Inhalte und die Existenz müssen weitertransportiert werden
  • Der Druck gehört erhöht
  • Anträge und Resolutionen  sollten an den Bund gestellt werden
  • Die Initiative muss auch von den Eltern kommen
  • Man muss Betroffene ins Boot holen und gemeinsam aktiv werden

Wir kämpfen in Österreich immer noch gegen alte Rollenbilder, alte Denkstrukturen. “Die Mama bleibt daheim, bis die Kinder mindestens in der Volksschule, wenn nicht sogar im Gymnasium sind…” In Wahrheit ist das aber fast nur noch eine Idee in unseren Köpfen, denn de facto kommt das nur noch selten vor. Schließlich können sich das nicht mehr viele Familien leisten, oder?

Ist Teilzeitkarriere überhaupt möglich?

Wir stellen uns die Frage, und es mag provokativ sein, aber:  ist Kinderhaben überhaupt noch attraktiv (vor allem für Frauen, die beruflich etwas weiterbringen und Karriere machen wollen)?

Und die Antwort ist, dass Teilzeit nicht mehr nur Frauensache sein kann. Kinder sollen nicht die “Karriereverhinderer” der Frauen sein.

Wo also sind die attraktiveren Modelle für die Teilzeitarbeit? Welche Unterstützung kann es auch für Unternehmen geben, dass gute Jobs in weniger Zeit angeboten werden?

Und außerdem, solange Frauen so viel weniger verdienen als Männer, wird die Entscheidung, wer die hauptsächliche Care- und Hausarbeit übernimmt, auf Basis des Geldes leicht getroffen.

Das ist der Plan

  • Gehälter angleichen, vor allem, wo vorwiegend Frauen arbeiten (zB Pflege etc)
  • Frauen machen 2/3 der unbezahlten Arbeit (Pflege von Familienangehörigen) . Das Bewusstsein, dass es nicht der Auftrag der Frauen sein muss, muss gestärkt werden.
  • Das Bewusstsein, dass Männer gleichberechtigt in Karenz gehen können, muss ebenso gefördert werden

Natürlich diskutieren wir auch den vielbesungenen und auch immer öfter in Anspruch genommenen “Papamonat”. Dieser setzt sich langsam immer mehr durch und ist auch „nett“. Die Grundproblematik löst dieses Angebot allerdings auch nicht im geringsten.

Ein Lösungsansatz könnte sein:

Eine Idee ist es, dass beide Eltern 30 Stunden zu jeweils 80% arbeiten und so gemeinsam mehr Betreuungszeit haben, und die Frauen mehr arbeiten und verdienen könnten. Aber welche Ideen gibt es hier, um solch einen Ansatz salonfähiger zu machen? Wie könnte man seitens der Politik bei ArbeitnehmerInnen, aber vor allem bei Unternehmen das System fördern?

Frau Wimmer ist überzeugt, dass sich bei innovativen Unternehmen der Gedanke zunehmend durchsetzt, dass mehr Zeit neben der Arbeit zu deutlich mehr Zufriedenheit und in Konsequenz zu mehr Arbeitsleistung von Frauen führen wird.

Wir diskutieren aber auch die generelle Arbeitszeitverkürzung, und ob 40 Stundenjobs tatsächlich die Zukunft sein werden.

Das SPÖ Programm

Frauen sollten animiert werden ihre Arbeitsstunden zu erhöhen, Männer ihre zu reduzieren. Dazu gibt es den Vorschlag, 50% des reduzierten Einkommens  für 24 Monate aufzuzahlen. 

Wo liegt denn das Problem mit der gerechteren Aufteilung?

Leider scheint es derzeit immer noch so zu sein, dass Männer  das Thema Teilzeit in ihren Firmen gar nicht ansprechen, denn es ist nach wie vor ein Kampf. Es bedeutet oft, sich förmlich mit dem Chef anzulegen. Zwar ist der Rechtsanspruch essentiell, trotzdem scheint es den Männern immer noch zu mühsam zu sein, über die Optionen der Karenz und Kinderbetreuung nachzudenken.

Es stellt sich die Frage, ob man nicht noch mehr Aufklärung für die Männer machen könnte? Vielleicht ist es auch eine Idee auf Unis durch Vorträge und Role Models Bewusstsein zu schaffen?

Außerdem  kennt sich niemand mit dem Kindergeld aus, das gehört dringend reformiert, meint die Nationalratsabgeordnete. Es muss besser verständlich gemacht werden. Auch hier braucht es mehr Bewusstseinsbildung und Kampagnen.

Wieder ein Thema, das durch Corona wohl verzögert wird!

Schlussbetrachtungen

Wir meinen beide, dass Gleichberechtigung in der neuen Generation voll gelebt und selbstverständlich gesehen wirdbis Kinder kommen. Auf einmal kommen die alten Modelle zum Vorschein. Und auch die Jungen gehen dann den „einfacheren Weg“ und leben weiter nach den alten Rollenbildern. 

Ich frage, ob Jobsharing ein Lösungsmodell dafür sein könnte? Denn mit diesem Konzept könnte man den Familien und vor allem Teilzeitarbeitenden viel mehr Flexibilität bieten und deutlich mehr Möglichkeiten im Arbeitsbereich anbieten.  Grundsätzlich kann sich die SPÖ Familiensprecherin gut vorstellen, dass man Jobsharing Modelle und auch Anreize für Unternehmen auch auf politischer Ebene schaffen kann. 

Oder wir versuchen uns doch einmal an der 4-Tage Woche!  Dazu gibt es schon genügend Versuche von Arbeitgebern, die feststellen, wie attraktiv dieses Angebot für ArbeitnehmerInnen ist. Die Anzahl der Bewerber ist auf jede Jobausschreibung ein Vielfaches – von Männern wie auch von Frauen!

Ob Jobsharing oder 4 Tage Woche, sämtliche neue Modelle schaffen motiviertere  Mitarbeiter.

Wir sind uns einig.

Wir müssen in Österreich

  • die Frauen mehr in die Arbeit holen,
  • Kinderkriegen attraktiver machen, und 
  • Väter aufrufen mehr Zeit mit Kindern zu verbringen

Wir wissen alle, es gibt noch viel zu tun!

Alles Liebe,

Eure Sigrid

Die weiteren Folgen zum Politikspecial findet Ihr übrigens hier:

 

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