Der Teilzeitkarriere Talk

Politik Talk Teilzeit Karriere mit Norbert Sieber ÖVP

2. Februar 2022
Nationalratsabgeordneter Norbert Sieber für Familie im Teilzeit Karriere Gespräch mit Sigrid Uray

NRAbg. Norbert Sieber zu Gast im Teilzeit Karriere Talk

Sprecher für Sicherheit, Landwirtschaft und Familie ÖVP

Hier geht’s zum Podcast!

Powered by RedCircle

Vereinbarkeit Beruf und Familie – wie unterstützt die ÖVP?

Ich bespreche mit dem  Familiensprecher der ÖVP, welche Förderungsmaßnahmen bzw. Verbesserungsmöglichkeiten wir in Österreich haben.

Könnten dies flexible Arbeitszeitmodelle sein, oder etwas mehr und bessere Teilzeitangebote?

Seitens der Regierung gab und gibt es während der Corona Pandemie schon einige Maßnahmenbündel, wie den Familienhärtefonds usw.

Hr. Sieber erklärt, dass wir im internationalen Vergleich gut da stehen, stellt aber klar, dass dieses Maßnahmen nicht die strukturellen Probleme bzgl. Teilzeitarbeitenden lösen.

Warum ist Teilzeitarbeit ein Problem?

Und warum sind so wenige Männer in Teilzeit?

Warum haben Unternehmen Probleme mit der flexiblen Gestaltung der Arbeitszeit?

Wir wünschen uns doch alle mehr Work-Life oder Family-Life Balance. Und auch junge Väter wünschen sich mehr Zeit mit Familie (Zitat katholischer Familienverband: “verpass nicht die Rolle deines Lebens”).

Mir erzählt der Sprecher für Familie der Österreichischen Volkspartei, dass bei ihm und seiner Familie ebendiese Balance zu kurz gekommen ist. Heute würde er sich mehr Zeit mit seinen Kindern wünschen.

Natürlich ist aber das Wichtigste für die Familien die Wahlfreiheit! Und Frauen wählen nun mal öfter die Karenz, den Hauptanteil an der Kinderbetreuung und die Teilzeitarbeit danach. 

Aber wo müssen wir ansetzen? Wir wissen alle, dass die Frauenberufe schlechter bezahlt sind, und dass Frauen vor allem in den schlecht bezahlten Branchen/Berufen arbeiten?

Ein sehr wichtiger Punkt – die Kinderbetreuung

Natürlich ist ein wichtiger Faktor der qualitative Ausbau der Kinderbetreuung  – momentan fokussieren wir uns eher auf die Quantität. Und, wie der Nationalratsabgeordnete meint, ist die Qualität der Kinderbetreuung vor allem bei den unter 3 Jährigen von äußerster Wichtigkeit. 

Was könnten denn auch hier neue Alternativmodelle sein ? Wie sieht es zum Beispiel mit dem Ausbau des Tagesmutter Angebots aus?

Warum ist Wien in so vielen Betreuungsbereichen so weit vorne? Warum sind in Wien die Öffnungszeiten viel länger und die Förderungen viel höher?

Fragen, über Fragen, die ich dem Familiensprecher der Volkspartei stelle. Vor allem interessiert mich, warum zum Beispiel Graz als zweitgrößte Stadt Österreichs mit großer Wirtschaftskraft/Ballungraum ein recht schlechtes Ganztagsangebot für Kindergartenkinder hat. Immerhin sind hier auch viele Familien, Frauen, aber auch große Unternehmen ansässig. Die Diskrepanz zwischen Wien und Graz finde ich bemerkenswert. Von anderen Städten oder gar dem ländlichen Gebiet ganz zu schweigen.

Was wollen denn die Eltern von den Unternehmen?

Zumeist geht es wohl um Flexibilität und die Möglichkeit seine Freizeit freier zu gestalten. Im Gespräch sind wir uns sehr einig, dass die Unternehmen, die am besten diesen Anforderungen entgegen kommen können, den Kampf um die besten Fachkräfte gewinnen werden.

Wir diskutieren vor allem auch die Position der Väter in Österreich.

  • Wünschen sich denn viele Männer in Väterteilzeit zu gehen?
  • Muss man die Teilzeitarbeit für Männer in irgendeiner Weise “salonfähiger” machen?
  • Warum nehmen die Männer das Angebot, das ja existiert, nicht wahr?
  • Wie macht man das für Männer attraktiver? Können wir Karriere in Teilzeit anbieten (nicht nur für Männer!)?

Natürlich gibt es bereits eine Reihe an Kampagnen und Angeboten – und die neue Generation scheint dem Thema gegenüber auch aufgeschlossener zu sein als vielleicht die Generation Y oder die Babyboomer. Aber sind sie das auch wirklich?

Und ja leider, es geht oft ums Geld!

Wie immer dreht sich alles um das gute, alte Geld. Wenn im Familieneinkommen das höhere Einkommen der Männer fehlt, stellt sich die Frage oft nicht mehr, wer in Karenz gehen soll.  Und verpflichtende Regelungen sind für den Familiensprecher Norbert Sieber nicht vorstellbar. 

Ich spreche aber auch das Thema an, dass Frauen nicht nur in schlecht bezahlten Branchen arbeiten, sondern auch für die gleichen Jobs viel weniger verdienen. Wir diskutieren über den „Risikofaktor“ Schwangerschaft – und welche Bedrohung das immer noch im Arbeitsumfeld der Frauen darstellt. Denn, Karriere in Teilzeit zu machen ist in Österreich leider nach wie vor die große Ausnahme – und keine Regel!

Was wäre wenn:

Frauen und Männer zur Kinderbetreuung in Teilzeit ein Mindestmaß an Stunden machen würden (ca. 60%), bis die Kinder zwischen ca 4 (bis unter Umständen sogar 8 )Jahre alt sind. Und wenn der Staat die Pensionszahlungen aufzahlen würde – bis zu einem gedeckelten Maß der aktuellen Medianpension? Norbert Sieber jedenfalls glaubt, dieses Modell könnte der Altersarmut ein bisschen den Riegel vorschieben. Plus, und das ist ja ein wichtiger politischer und wirtschaftlicher Gedanke: der Sprung zur Vollzeit wäre wieder einfacher für viele Frauen.

Die wenigen Stunden der Teilzeitmöglichkeiten werden zum Problem

Warum geht das überhaupt, dass man nur 12 Stunden arbeiten gehen kann? frage ich.  Sollte man das nicht erhöhen?

Und könnte man für die Unternehmen die Teilzeitangebote nicht attraktiver machen? 30 Stunden sind oft sehr effizient bei Eltern/Müttern. Wieso kann man hier nicht gute Angebote an die Teilzeitkräfte machen und sie so zurück in mehr Stunden holen?

Pensionssplitting

Das Thema Pensionssplitting interessiert mich persönlich sehr, daher war die Fragen an die Regierungspartei:

  • Wie kann es sein, dass so wenige Menschen Bescheid wissen, dass es Pensionssplitting bereits gibt – vor allem auch, dass es im Regierungsprogramm steht?
  • Und warum ist es wohl so, dass momentan mehr Männer das Splitting beantragt haben als Frauen?
  • Wie hat man sich die Berechnung mit mehrere Partnern, Patchworks vorgestellt?
  • Und zu guter Letzt, wann kommt es verbindlich, automatisiert? Und nicht wie jetzt als Opt in, wo man es erst mühsam beantragen muss. Sondern als Opt out, wo man den Ausstieg aus dem Splitting aktiv beantragen müsste?

Norbert Sieber erklärt mir, dass es noch einige Abstimmungsnotwendigkeiten bei den Regierungsparteien gibt und momentan noch keine konkreten Aussagen dazu möglich sind.

Ein weiteres Dilemma

Als ich frage, warum Unternehmen nicht mehrere 30 Stunden Jobs anbieten und bei jedem vierten Job einen neuen zusätzlichen Job kreieren können, tut sich das strukturelle Problem in Österreich auf. Dadurch, dass bereits so viele Fachkräfte fehlen, gibt es viele Branchen, die solche Modelle massiv ablehnen, weil sie dann noch mehr Arbeitskräfte finden müssten. 

Doch dann kommt das Gespräch doch wieder zurück zu den Kindern, die bei uns geboren werden – oder eben nicht!

Jedes 5. Kind, das man sich gewünscht hätte, kommt nicht auf die Welt, weil es in den Arbeitsalltag der Eltern nicht reinpasst.  So steht es zumindest im Familienbericht Österreich. Und diese Kinder fehlen uns. Und weil die hochgebildeten Frauen von heute auch Karriere machen wollen, verzichten sie auf die Kinder. Teilzeitkarriere unbekannt!

Dazu kommt, dass, egal, was viele Unternehmen sagen, immer mehr ArbeitnehmerInnen – unabhängig davon, ob sie Eltern sind, oder nicht – die 30 Stunden oder 4 Tage Woche bevorzugen würden. Das sieht man klar und deutlich an den vielen Bewerbungen, die auf Jobausschreibungen mit reduzierter Arbeitszeit geschickt werden.

Leider haben wir dafür noch lange nicht alle Antworten. Aber es wird daran gearbeitet 🙂

Alles Liebe,

Eure Sigrid

Das könnte Dir auch gefallen

Keine Kommentare

Hinterlasse eine Antwort