Der Teilzeitkarriere Talk

Politik Talk Teilzeit Karriere mit Henrike Brandstötter NEOS

6. Februar 2022
Abgeordnete Frauen und Gleichbehandlung Abgeordnete Henrike Brandstötter NEOS mit Sigrid Uray

NRAbg. Henrike Brandstötter zu Gast im Teilzeit Karriere Talk

Sprecherin für Frauen, Gleichbehandlung, Medien & Start Ups NEOS

Hier geht’s zum Podcast!

 

Powered by RedCircle

“Es spießt sich an der Kinderbetreuung per se”

Das Eingangsthema unseres Gespräches ist – wie sollte es anders sein – natürlich wieder die Pandemie und welchen Impact die aktuelle Kinderbetreuungssituation für Frauen hat. Während der letzten Monate, mittlerweile schon fast zwei Jahre, ist fast die gesamte Care-und Hausarbeit wieder an den Frauen hängengeblieben.

Grundsätzlich sollen in den Familien beide Partner gleichberechtigt und gleich zuständig sein. Kinderkriegen ist laut Fr. Brandstötter nicht die Sache der Frauen, also quasi eine “Risikosache” für Frauen. Teilzeitarbeit benachteiligt die Frauen automatisch und behindert ihre Karrieren.

Immerhin tobt derzeit in fast allen Wirtschafts- und Unternehmensbereichen der Kampf um die besten Köpfe. Und dafür müsste man neue Arbeitsmodelle erarbeiten.

Arbeit von Frauen muss gleich viel Wert sein wie die der Männer

Daher meint Fr. Brandstötter, dass das Ziel sein müsste, die Vollzeittätigkeit bei Frauen zu fördern. Das würde deren Bezahlung automatisch verbessern, und so würden die Unternehmen eher auch Frauen befördern und wären eher bereit mehr zu bezahlen.

Neue Karenzmodelle?

Wir sprechen über das Beispiel der skandinavischen Länder, das uns als Vorbild dienen sollte.  Der Vorschlag ist ein individueller Karenzanspruch  von insgesamt max 18 Monate bis zur Vollendung des 3. Lebensjahres des Kindes, inkl. Bestandsschutz der Arbeit . So hätte man durchaus mehr Zeit mit den Kindern, aber beide Eltern sollten in Karenz sein. Jeweils sollte es hier eine Minimalzeit geben, in der jeweils ein Elternteil in Karenz sein muss.

Das Ziel dieses Plans ist die 50:50 Aufteilung der Karenz auf beide Eltern.

Das liebe (Kinder)Geld

Hier wünscht sich Fr. Brandstötter mehr Flexibilität fürs Kinderbetreuungsgeld. Es sollte mehr Varianten  geben und so mehr Wahlfreiheit für die Eltern  bieten – wie auch die Wahlmöglichkeit, diverse Kombinationen aus den vorhandenen Modellen zu wählen.

Natürlich gibt es von vielen Paaren und Familien auch die Ängste vorm Einkommensverlust.

Beide Partner in Vollzeit ab dem 4. Lebensjahr des Kindes

Wie könnte das breitflächig machbar sein? Viele Eltern wollen das  einfach nicht. Und die Betreuung fehlt außerdem auch. Solch eine Idee ginge sich momentan (gerade noch) in Wien aus.

Aber wie wäre das mit 30 Stunden Teilzeit für die Frauen? Ist das überhaupt noch Teilzeit? Wie viele Stunden genau sind eigentlich Teilzeit?

Viele Arbeitgeber wollen keine Führungskräfte in Teilzeit, weil sie es sich nicht vorstellen können, dass eine Führungsposition in weniger Stunden möglich ist. Die Erwartungshaltung ist, dass jeder Arbeitstag abgedeckt sein muss.

Kinder haben ist anstrengend

Ja, Kinder und einen Job zu haben ist “zach”.  Da sind wir uns einig 🙂

Und vielleicht sind Vorgesetzte, die tatsächlich fünf Tage Anwesenheit im Office verlangen, mittlerweile schon Auslaufmodelle?

Ich persönlich glaube, Umdenken (auch trotz der Entwicklungen getrieben durch Corona) ist extrem langsam – viel ist nicht weitergegangen.

Die Aufgabe der Politik

Die Politik soll nicht vorschreiben, dass 30 Stunden auf einmal die neue Vollzeit sind. Und das mit vollem Lohnausgleich, das kann auch keine Lösung sein,  sagt die NEOS Abgeordnete.

Grundsätzlich bringen lange Karenzzeiten und lange Teilzeitarbeitszeiten für die Frauen eine unmittelbare Abhängigkeit vom Partner und vom Staat.

Daher können flexiblere Arbeitszeitmodelle und ein Ausbau der Kinderbetreuung (hier vor allem der Öffnungszeiten) Fortschritte bringen.

Natürlich gibt es  in Teilzeit zu wenige Möglichkeiten Karriere zu machen, aber wir brauchen auch die Steuern. Vollzeit muss nach Aussage von Fr. Brandstötter das Modell “on the long run” sein.

Männer in Care-Arbeit

Meine Frage ist, wie wir mehr Männer in die Care Arbeit holen können. Müsste man hier Unternehmen steuerlich anreizen, oder wie kann man hier Bewegung rein bringen?

Ihre Antwort ist, dass es erst gar nicht verordnet werden muss, denn es ist ja bereits gut möglich für die Männer Betreuungszeiten zu nehmen. Und einen steuerlichen Anreiz für Teilzeit Arbeit lehnt sie ab.

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit?

Frauen verdienen in Österreich immer noch weniger für gleiche Arbeit wie Männer. Und sie arbeiten in den schlecht bezahlten Berufen.

Wie ändern wir nun also unsere alten Rollenbilder? Wie bekommen wir die Frauen und Mädchen aus den alten Rollen heraus und kommen in ein “neues Modern”?

Fr. Brandstötter ist überzeugt, Angebot schafft Nachfrage! Gerade im ländlichen Raum müssen wir tradierte Rollenbilder aufbrechen und Männern den Vorteil der geteilten Kinderbetreuung und Mehrarbeit der Frauen darlegen. Für Männer liegt immerhin auch die Last des Geld Verdienens auf den Schultern. Es ist doch deutlich besser sich das Risiko aufzuteilen.

Wo fangen wir an?

Laut der Nationalratsabgeordneten, sind wir quasi schon in einem „Neo-Biedermeier“? So sehen wir gerade jetzt einen Anstieg an Instagram Accounts mit Frauen, die gerne lange zuhause sind bei den Kindern, und das groß propagieren.

Das funktioniert, wenn die Zeiten rosig sind. Aber was ist, wenn es mit dem Partner nicht mehr funktioniert? Dann ist die Katastrophe perfekt.

Wie sieht es mit der Idee des Pensionssplitting aus?

Das Modell der NEOS sieht Folgendes vor: alle Ansprüche von Mann und Frau fließen in einen Topf,  und beide bekommen davon 50:50. Egal, was wer verdient.

Natürlich wird diese Berechnung bei mehreren Partnern schwierig. Das wird es aber beim aktuellen Modell wohl auch.

Grundsätzlich gilt, man findet für alle Eventualitäten ein Rechenmodell. Und vor allem kann man nur aufteilen, was da ist. So läuft es schließlich auch bei den Alimenten. Die Familienkonstellation sollte egal sein.

Finanzielle Bildung

Die NEOS möchten “financial literacy” in die Schule bringen, also eine Grundausbildung für Finanzthemen.

Je bessere Financial Skills vor allem die Frauen haben, desto bessere Voraussetzungen haben sie für ihre berufliche und private Zukunft. Auch Arbeitgeber sollten hier bessere Aus-und Fortbildungsmöglichkeiten anbieten. So können sie sich auch als guter Arbeitgeber für junge Frauen positionieren.

Grundsätzlich gilt für Fr. Brandstötter, dass Arbeit kein Kuchen ist, den man nur einfach anders aufteilen muss. Arbeit schafft Arbeit.

Natürlich gibt es Branchen, wo Teilzeit ein gelebtes Modell ist. Das macht den Einsatz der ArbeitnehmerInnen deutlich flexibler. Aber hier ist oft das Lohnniveau sehr schlecht. Dass man hochqualifizierten ArbeitnehmerInnen Teilzeitmodelle schmackhaft macht, ist für die NEOS nicht sinnvoll. Vor allem, wenn diese Fachkräfte ohnehin schon so schwer zu bekommen sind. Dann würden diese ja noch weniger arbeiten – und das wäre für die Wirtschaft und die Unternehmen nicht vorteilhaft.

Allerdings sagen auch Studien, dass im Büro gerne einige Zeit “vertrödelt” wird… 

Wie geht es weiter…

Die Nationalratsabgeordnete der NEOS meint zum Abschluss, dass junge Menschen momentan schon ein ganz anderes Elternbild haben. Es gibt in ihren Augen in den jüngeren Generationen die “klassischen” Rollen nicht mehr.

Die Entwicklungen gehen langsam vor sich, aber sie werden kommen. Die Jungen lassen sich nicht mehr alles gefallen. Davon ist sie überzeugt.

Schlussendlich ist Aufklärung das Wichtigste. Wenn ich mich für etwas entscheide, muss ich einfach wissen, welche Konsequenzen auf mich zukommen.

Ich wünsche Euch viel Vergnügen beim Zuhören!

Eure Sigrid

 

Das könnte Dir auch gefallen

Keine Kommentare

Hinterlasse eine Antwort