Der Teilzeitkarriere Talk

Politik Talk Teilzeit Karriere mit Markus Koza – Die Grünen

9. Februar 2022
Sigrid Uray und Nationalratsabgeordneter Markus Koza Die Grünen Familiensprecher

NRAbg. Markus Koza zu Gast im Teilzeit Karriere Talk

Sprecher für Arbeit und Soziales – Die Grünen

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Herausforderung Vereinbarkeit

Die vielbesungene und ständig diskutierte Vereinbarkeit ist eine große Herausforderung, die mehr schlecht als recht gelungen ist. Das diskutiere ich gleich zu Anfang des Gesprächs mit Nationalratsabgeordneten Markus Koza von den Grünen.

Im städtischen Bereich ist die Kinderbetreuungsdichte ok. Hier ist es sogar oft ok einer Arbeit mit erhöhter Teilzeit oder sogar Vollzeit nachzugehen. Am Land ist es aber definitiv ein Problem.

Quo vadis, österreichischer Arbeitsmarkt?

Laut Hr. Koza ist es das gesellschaftspolitische Ziel, dass grundsätzlich die Erwerbsquote von Frauen und Männern angehoben wird. Eigenständigkeit muss gefördert werden.

Aber wir sind in Österreich nun mal ein konservatives Land. Und so konservativ ist oftmals auch immer noch die Frauenrolle in unseren Köpfen. Das bedeutet: Kinderbetreuung ist Frauensache. Leider gibt es auch kaum bis keine Männer in den Kindergärten. Unsere Kinder werden immer noch von der  “Kindergartentante” begleitet. Männer sucht man hier vergebens.

Dabei sind gerade Kindergarten und Volksschule die primären Bildungsstätten unserer Kinder.

Warum wählen Frauen Teilzeitarbeit, warum Männer?

Mit knapp 11% sind sehr wenige Männer in Österreich in Teilzeit  – und das hauptsächlich zur Weiterentwicklung, oder um beruflich runterzuschalten. Die Frauen allerdings wählen die Teilzeitarbeit nicht “freiwillig”.  Sie gehen hauptsächlich für die Kinderbetreuung bzw. für die Care Arbeit in Teilzeit arbeiten.

Allgemeine Arbeitszeitverkürzung

Laut dem Grünen Abgeordneten steigt bei einer allgemeinen Arbeitszeitverkürzung das Teilzeitniveau auch an und nähert sich dadurch der Vollzeit mehr an. Dazu gehört der Mindestarbeitszeitstandard der Teilzeit auch angehoben. Drei Dinge spielen bei diesen Überlegungen zusammen:

  • Progressive Arbeitszeitpoitik = Verkürzung
  • Anhebung Mindestarbeitzeit
  • Kinderbetreuungsstätten erhöhen

Die Überlegungen

Arbeitszeitverkürzung ist keine „neue“ Idee, schließlich hat sich Arbeit immer verändert. Natürlich muss die Verkürzung mit einer allgemeinen Produktivitätssteigerung einhergehen. Zum Beispiel kommen hier Automatisierung und andere Produktionswege zum Zug.

Es gibt heute einfach neue Bedürfnislagen. Jeder sucht nach einer gewissen Work-Life Balance.  Und vor allen Dingen heißt Anwesenheit nicht effizientes Arbeiten.

Hr. Koza erwähnt dazu den Bedarf an flexiblen Lösungen, Anpassungen in den Kollektivverträgen wie auch Änderungen in Betriebsvereinbarungen.

Es liegt derzeit ein neuer Vorschlag von AK & Gewerkschaft vor. Wenn in Familien beide Elternteile jeweils 30:30  Stunden arbeiten, sollen 250 Euro pro Person aus dem Familienlastenausgleichsfond an die Eltern bezahlt werden. Die Wirtschaft lehnt diesen Vorschlag allerdings ab.

Bezahlte Arbeit muss gefördert werden

Es gibt einige Ideen, die die Grünen mit der ÖVP verhandelt. Dazu zählt zum Beispiel ein Arbeitszeitkorridor, der über einen Bonus gefördert werden kann. Oder auch sonstige partnerschaftliche Elternzeitmodelle. Wichtig ist zu verhindern, dass Frauen zu lange von der Arbeit weg sind.

Der Wiedereinstieg ist für viele Frauen sehr schwierig. Mit beiden Eltern in Teilzeiten bzw. in der Kinderbetreuung, dafür aber für weniger lange Zeit, kann man Frauen besser in der Arbeit halten – was wichtig ist für später.

Es ist ganz klar, dass der Wiedereinstieg immer schwieriger wird, wenn man sich völlig aus dem Arbeitsleben ausklinkt. Auch Unternehmen müssen “Karenzler” einbinden und ein gewisses Karenzmanagement anbieten. Aber Frauen müssen auch verhandeln und proaktiv mit dem Unternehmen die Möglichkeiten absprechen.  Sie müssen genauso Flexibilität anbieten, sich konkret beschäftigen, nachdenken und Möglichkeiten überlegen.

Eltern WOLLEN Teilzeit

Aus der Studie des Katholischen Familienverbands geht hervor, dass der Großteil der Eltern in Teilzeit arbeiten will, weil sie mehr Zeit mit den Kindern verbringen wollen. Es wird selten diskutiert, dass die Frauen bzw. Eltern weniger arbeiten WOLLEN.

Dazu meint Hr Koza, dass es normal ist, dass der “Wunsch nach einer Arbeitszeit besteht, die ein Leben neben der Arbeit zulässt.”

Aber natürlich muss man sich auch der Risiken bzgl. der Teilzeitarbeit bewusst sein!

Hr. Koza ist selbst vor 17 Jahren in Teilzeit gegangen, hatte aber das richtige Einkommen. Selbstverständlich spielt der Verdienst die wesentliche Rolle bei der Wahl für weniger Arbeitszeit.

Es wäre wünschenswert, flexibler von Teilzeit zu Vollzeit wechseln zu können. Man sollte auch immer erst den Teilzeitarbeitskräften Erhöhungen anbieten, bevor man vielleicht extern rekrutiert.

Die Einkommensfrage

Wie immer geht eben alles gut, solange das Familieneinkommen passt – und die Familie besteht. Trennungen und Jobverlust bewirken immer ein ökonomisches Problem.

Und dazu stellt sich die Frage: Wie cool ist Karenz für Männer wirklich?

Es stimmt, dass momentan ein bisschen Bewegung in das Thema kommt. Immer mehr Männer interessieren sich dafür in Karenz oder auch in Teilzeit zu gehen.

Grundsätzlich wird das Elternzeitmodell  gerade stark diskutiert. Beide Elternteile müssen die Arbeitszeit neu gestalten. Und beide sollten möglichst rasch in die Arbeitswelt zurück – möglichst solidarisch. Das kann Karenzzeiten in Summe reduzieren.

Wir sind uns aber auch einig, dass der Papamonat in Österreich  nicht attraktiv gestaltet ist. Es gibt wenig Geld, und dann muss man es noch zurückzahlen, wenn man in Karenz geht.

Hier müsste auf jeden Fall an einer Attraktivierung gearbeitet werden. So würden auch mehr Papas das Angebot in Anspruch nehmen. Wahrscheinlich würden sich dann auch mehr Menschen für dieses Elternzeitmodell interessieren.

Leider ist es aber auch so, dass Väter oft mehr arbeiten, wenn die Kinder kommen (für Überstundenzahlungen etc,) anstatt weniger!

Pensionssplitting:

Zum Schluss sprechen wir über ein äußerst umstrittenes Thema. Das Pensionssplitting soll eine Umverteilung von Männern in Richtung Frauen bringen.

Der Sprecher für Arbeit und Soziales bei den Grünen erklärt die Position der Partei so: Was derzeit verhandelt ist, ist EIN Schritt dorthin, aber es braucht auch andere Schritte.

Erstens braucht es mehr Einkommenstransparenz von Männern und Frauen – auch in den Betrieben. Und man muss das Elternteilzeitmodell mit dem Splitting Thema mitverhandeln. Das kann nicht losgelöst passieren.

Die Grünen haben dazu einige Befürchtungen (zB, dass mehr Frauen zuhause bleiben, weil sie sich in Sicherheit wähnen).

Aber es stellt sich dir Frage, wer darüber überhaupt informiert ist? Wer kennt das Modell überhaupt und versteht die Details?

Würde das Opt Out eher von Männern kommen, die es sich eigentlich gut leisten könnten. Es ist ein Eingriff ins Eigentumsrecht – und ist das verfassungskonform?

Diese Fragen bleiben offen – und sind bist heute nicht geklärt.

Viel Vergnügen beim Reinhören!

Eure Sigrid

 

 

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